Jerusalem: Heilige Stadt dreier Weltreligionen

In allen drei großen Offenbarungsreligionen - Judentum, Christentum und Islam - ist Jerusalem eine heilige Stadt. Der politische Status der Stadt ist international umstritten.

Hier stand das Allerheiligste der Juden, für Christen ist es der Ort von Jesu Leiden und Auferstehung und für Muslime ist Jerusalem die drittwichtigste Stadt nach Mekka und Medina. Brennpunkt der religiösen Spannungen in Jerusalem ist der Tempelberg in der Altstadt - für Muslime „Al-Haram al-Scharif“ (Das edle Heiligtum).

Brennpunkt Tempelberg

Hier standen ehemals jüdische Tempel, heute beten an der Stelle Muslime in der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom mit seiner vergoldeten Kuppel. Der heilige Ort steht offiziell unter muslimischer Verwaltung. An der allein stehen gebliebenen Westmauer des ehemaligen jüdischen Tempelbezirks, der Klagemauer, beten Juden. Auch für Christen sind viele Stätten in der Stadt heilig, vor allem die Grabeskirche in der Altstadt.

Blick auf die Klagemauer und den Felsendom in Jerusalem
APA/AFP/Thomas Coex
Jerusalem ist allen drei monotheistischen Religionen heilig

Status Jerusalems Streitfrage

Der politische Status der Stadt ist international umstritten. Der Staat Israel betrachtet Jerusalem als seine Hauptstadt, international ist das allerdings nicht anerkannt. „Wer am Status von Jerusalem rüttelt, bekommt es mit einem kaum kalkulierbaren Konfliktpotenzial zu tun. Schon bevor US-Präsident Donald Trump Palästinenserpräsident Mahmud Abbas über seine Absicht informierte, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, liefen zahlreiche arabische und muslimische Staaten Sturm“ schrieb Joseph Dyke für die Nachrichtenagentur AFP.

Der künftige Status Jerusalems ist eine der zentralen Streitfragen im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Mit Ende des britischen Mandats hatten die Vereinten Nationen sich 1947 für eine internationale Verwaltung der Stadt ausgesprochen.

Verschiedene Lösungsvorschläge

Im ersten Nahost-Krieg 1948 besetzten der neu gegründete Staat Israel jedoch den westlichen und Jordanien den östlichen Teil Jerusalems. Damit war die Stadt de facto geteilt. Während des Sechs-Tage-Kriegs 1967 eroberte Israel dann auch den arabisch geprägten Ostteil Jerusalems und beansprucht seither die ganze Stadt als seine „ewige und unteilbare Hauptstadt“. Den Anspruch der Palästinenser auf den Ostteil als künftige Hauptstadt eines unabhängigen Palästinenserstaats lehnt Israel ab.

Verschiedene Lösungsvorschläge der USA sahen eine Aufteilung der Stadtgebiete unter Israelis und Palästinensern vor. „Was jüdisch ist, bleibt jüdisch, was arabisch ist, wird palästinensisch“, lautete die Formel des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Der frühere US-Außenminister John Kerry sprach von einer „international anerkannten Hauptstadt zweier Staaten“, betonte aber, eine erneute Teilung sei nicht erstrebenswert. US-Präsident Donald Trumps Ankündigung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, sorgt nun für Verunsicherung.

religion.ORF.at/dpa