Aschermittwoch und Fastenzeit im Zeichen der Kunst

In vielen österreichischen Kirchen steht ab Aschermittwoch und während der Fastenzeit die Beziehung zwischen Glaube und Kunst im Mittelpunkt. Bundesweit bieten die Diözesen dazu zahlreiche Veranstaltungen an.

Schauplatz für einen „Aschermittwoch der Künstler“ ist die Wiener Hofburg. Musiker und Schauspieler performen am Aschermittwoch ab 17.00 Uhr zugunsten der St. Anna Kinderkrebsforschung. Diesjähriges Thema ist „das jüngste Gericht“. Mitwirkende sind u. a. Burgschauspieler Peter Matic, die Wiener Philharmoniker und die Wiener Sängerknaben, interpretiert werden zu Musik von der Gregorianik bis zur Gegenwart Texte aus der Bibel, von Erasmus von Rotterdam und österreichischen Literaten von Karl Kraus bis Thomas Bernhard.

Kärntner Dom-Fastentuch aus dem Jahr 1485

Auf Bewährtes setzt man in Kärnten: Höhepunkt der um 18.00 Uhr beginnenden Aschermittwochliturgie im Gurker Dom ist das Aufziehen des berühmten gotischen Fastentuchs aus dem Jahr 1458. Das 89 Quadratmeter große Textilwerk des Meisters Konrad aus Friesach zählt zu den bedeutendsten europäischen Zeugnissen mittelalterlicher Malkunst.

Fastentuch des Doms zu Gurk von 1458
Diözese Gurk
Das älteste und zugleich grösste Fastentuch. 1458 fertig gestellt und 80 Quadratmeter gross, zeigt es 99 szenische Darstellungen

Nach der Feier liefert der Fastentuch-Experte Heinz Ellersdorfer eine detaillierte Beschreibung des Tuches. Ab 15. Februar ist das Gurker Fastentuch bis Karsamstag täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr mit und ohne Führung im Gurker Dom zu besichtigen.

Bewusste Hindernisse Klagenfurter Dom

Danach geht es ab 19.00 Uhr zeitgenössisch weiter. Bischof Alois Schwarz eröffnet die Installation „Kunst im Dom: Das Kreuz im Weg“. Der Künstler Brandy Brandstätter verlegte dafür auf dem Marmor-Schiefer-Fußboden der Domkirche Eisenschienen, an denen Niro-Rohre befestigt sind. Die insgesamt 129 Metallrohre formen aus der Vogelperspektive betrachtet ein lateinisches Kreuz.

Die Metallkonstruktion nimmt Gottesdienstbesuchern eine gute Sicht auf den Alter, erschwert den Zugang zu den Kirchenbänken, und zwingt Mitfeiernde, sich zu bewegen, um das Geschehen im Altarraum gut mitverfolgen zu können und so zur Interaktion. Wie die Installation entstanden ist und welche Idee dahinter steht, erläutern Brandstätter und die Künstlerin Elisabeth Plank am 16. Februar in einem Gespräch mit Dompfarrer Peter Allmaier um 16.30 Uhr in der Domkirche.

Dialog zwischen Kunst und Kirche

Zu einem lebendigen Dialog zwischen Kunst und Kirche kommt es am 14. Februar beim Aschermittwoch-Gottesdienst in der Grazer Kirche St. Andrä, wo früher der steirische Priesterkünstler und jetzige Innsbrucker Bischof Hermann Glettler wirkte. Eine multimediale Performance mit Filmsequenzen, Musik und gesprochenem Wort des Künstlers Igor Friedrich Petkovic wird den gesamten Sakralraum transformieren.

Petkovic verwebt dabei Balkanerkundungen an der Donau mit persönlichen Erfahrungen zu einer filmischen Meditation über Abschied und Erinnerung, Tod und Vergänglichkeit. Beginn ist um 19:30 Uhr, der sprachspielerische Titel lautet „ASCHErMITwochtransFORMationEN“. Die bewegten Bilder verhüllen in Form einer Fastentuch-Installation die Fastenzeit hindurch den monumentalen Hochaltar der Grazer Andrä-Kirche.

Thema Flucht in Salzburg

In der Erzdiözese Salzburg gibt der Künstler Oskar Stocker in einer Ausstellung die Fasten- und Osterzeit hindurch dem Thema Flucht ein Gesicht. Eröffnet wird die Schau ebenfalls am Aschermittwoch bei einem Mittagsgebet um 12:30 Uhr in der Salzburger Kollegienkirche. Der Künstler zeigt im Rahmen von „pure life“ Menschen, die von Afrika aus über den Meerweg nach Europa gelangten. Aus mehr als 100 Skizzen entstanden sechs zwei mal zwei Meter große „Wasser-Portraits“. Die Ausstellung kann bis 6. April in der Salzburger Kirche besucht werden .

„Memento Mori - Gedanken des Todes“

In der Linzer Ursulinenkirche werden seit rund drei Jahrzehnten Künstler unter dem Leitthema „Memento Mori - Gedanken des Todes“ eingeladen, in der Fastenzeit Werke oder Installationen zu präsentieren. Nach der Aschermittwochliturgie um 20.00 Uhr wird heuer die Kunstinstallation „Nachhall“ in der Krypta und im Turmzimmer der Kirche eröffnet. Violeta Ivanova und Elke Halbmayer, Förderpreisträgerin des Diözesankunstvereins Linz 2016/2017, thematisieren darin die Zerbrechlichkeit alles Seienden und die Schönheit, die sich aus dem Wissen um das Vorübergehende ergibt. Ausstellungsdauer ist bis 30. März.

„Kunst.voll“

In der Diözese St. Pölten lädt der Katholische Akademikerverband am 15. Februar um 18:30 Uhr in den St. Pöltner Dom zu einer Fastenbesinnung mit Künstlern. Anschließend eröffnet Bischof Klaus Küng eine Fastenausstellung mit zeitgenössischer Kunst im Bischöflichen Sommerrefektorium. Unter dem Motto „Kunst.voll“ sind dabei bis 11. März Werke zehn bildender Künstler sowie vier Literaten zu erleben.

Ganz im Zeichen von Künstlern und Kunstinteressierten steht am Aschermittwoch ab 19.00 Uhr auch der Innsbrucker Dom. Dieses Jahr schafft der Innsbrucker Künstler Georg Loewit mit einigen Protagonisten einen Dialog zwischen Kirchenraum, Gottesdienstfeiernden und Besuchern des Doms. Dabei sein wird auch der kunstaffine Innsbrucker Bischof Hermann Glettler.

religion.ORF.at/KAP

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