Kabarettist Lainer: „Die Sakristei war unser Facebook“

„Nach dem Hochamt im Linzer Dom sind wir zum Frühschoppen gegangen und die Sakristei war unser Facebook. Damals gab es noch kein Handy und kein Internet“, scherzte Günther Lainer im Interview mit der Kirchenzeitung „Der Sonntag“.

Menschen zum Lachen zu bringen, ist Günther Lainers Berufung. Mit seinem Comedy-Programm bespielt der aus Linz stammende Kabarettist österreichweit Theaterbühnen und ist teil der ORF-Fernsehcomedy-Rateshow „Was gibt es Neues?“.

Den Grundstein seiner Karriere als Komödiant legte er als Student am Seminar für kirchliche Berufe in Wien. Gemeinsam mit einem Studienkollegen habe er damals begonnen, Kabarettprogramme zu schreiben.

Günther Lainer
ORF/Günther Pichlkostner
Die Sakristei war das Facebook für Günther Lainer

Der Kirche ist er bis heute treu geblieben, berichtete der ausgebildete Pastoralassistent und Religionslehrer in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“: Ich bin bei den Kabarettisten einer der wenigen, die nicht aus der Kirche ausgetreten sind und diskutiere darüber sehr viel mit den Kollegen.

Mit Kabarettprogrammen die Pfarrsäle gefüllt

Seinen Bezug zur Kirche und zum Glauben verdanke er seiner gläubigen Mutter. Auf ihr Geheiß habe er mit acht Jahren begonnen zu ministrieren; eine Zeit, an die sich der Kabarettist gerne zurückerinnert. „Nach dem Hochamt im Linzer Dom sind wir zum Frühschoppen gegangen und die Sakristei war unser Facebook. Damals gab es noch kein Handy und kein Internet“, scherzte er im Interview.

Seine Begeisterung fürs Kabarett habe ein Pfarrgemeinderat aus Frankenburg im Innviertel (OÖ.) geweckt. „Er hat mir das gezeigt. Und das hat mich so fasziniert, das wollte ich auch machen“, erläuterte Lainer. Darauf habe er begonnen, mit einem Studienkollegen Programme zu schreiben und damit viele Pfarrsäle in Österreich zu bespielen. Beim „Grazer Kleinkunstvogel“ erlangte das Team bald darauf das Finale. Den Schritt in Richtung Profi-Kabarettist habe er schließlich 1998 nach der Geburt seines Sohnes gewagt.

Was Gott für ihn ist, könne er bis heute nicht sagen, „ich habe aber schon noch einen Glauben“; so etwa an das in der Bibel begründete Gute im Menschen und daran, „wie Jesus gelebt hat und was er gemacht hat“, so der Kabarettist. Thema seien Glaube und Kirche auch bei der Erziehung seiner Kinder gewesen, „aber heute ist bei ihnen der Bezug zum Glauben und der Kirche etwas verloren gegangen“.

Ohne „moralischen Zeigefinger“

Als Kabarettist will er dem Zeitgeist entsprechende Themen aufgreifen, dabei aber auf einen „moralischen Zeigefinger“ verzichten. Parallelen zieht er zur Predigt im Rahmen eines Gottesdienstes. „Ich habe es zum Beispiel nicht ausgehalten, wenn ein Priester gepredigt und mir gesagt hat, was ich tun soll.“ Gut wird eine Predigt nach Lainers Worten dann, wenn sie Impulse gibt. „So sollte auch gutes Kabarett sein, mit Lachen, eine Predigt mit Lachen kann man sagen.“

In Österreichs Kabarettszene gibt es mit dem aktiven Religionslehrer Stefan Haider noch einen weiteren mittlerweile etablierten „Kirchenmann“; auch Starkabarettist Josef Hader engagiert sich als früherer Schüler am Melker Stiftsgymnasium immer wieder für die Caritas und drehte für die ORF-Abteilung Religion. Der frühere Grazer Theologiestudent Leo Lukas dagegen hat sich von seinen christlichen Wurzeln inzwischen losgesagt.

religion.ORF.at/KAP