Fastenzeit: Weglassen, was belastet

Die Fastenzeit nehmen viele zum Anlass, spirituell wie auch körperlich wieder zu sich zu kommen. Dabei gibt es unterschiedlichste Trends - von der klassischen Fastenkur bis zum „Fasten“ von Auto, Internet und Handy.

Die vorösterliche Bußzeit, auch Fastenzeit genannt, heuer von 14. Februar bis 31. März, beginnt mit dem Aschermittwoch. Sie dauert 40 Tage, endet zu Ostern und dreht sich schon lange nicht mehr nur ums (Nicht-)Essen. Der Hintergrund war, dass sich die Menschen nach dem Faschingstreiben, das sündhaft ausufern konnte, wieder auf ihre Sterblichkeit besinnen sollten.

Begriff „Fastenspeise“ weit gefasst

Gleichzeitig fiel die Fastenzeit früher auch mit der magersten Zeit im Jahr zusammen, als die Wintervorräte nahezu aufgebraucht und neue Nahrungsmittel noch rar waren. Der billig zu habende Fisch war eine naheliegende Fastenspeise - allerdings wurde der Begriff „Fastenspeise“ durchaus weit gefasst und zum Teil auch Wasservögel zur geeigneten Bußspeise erklärt. Starkbier, das in vielen Klöstern gebraut wurde, sorgte für eine Ergänzung des Speiseplans. Heute verzichtet man eher auf Süßspeisen und Alkohol.

Salat
Getty/Stitchik
Verzicht kann auch ein Bedürfnis nach „weniger ist mehr“ befriedigen

Den Alltag „entgiften“

Doch einfach nur von bestimmten Speisen Abstand zu nehmen oder weniger zu essen reicht für viele heute nicht mehr, schon gar nicht der Verzehr von Heringsschmaus in allen Varianten. Seit Jahren boomen Angebote und Anregungen für alternative, dem modernen Lebenswandel angepasste Formen des Verzichts.

Dazu gehört etwa auch „Cyber-Detox“, also eine „Entgiftung“ des Alltags von Internet- und Social-Media-Konsum - dafür existieren (paradoxerweise) eigene Apps. Letztere Fastenform ist wohl vor allem eine große Herausforderung für Kinder und Heranwachsende.

Ein bisschen muss es wehtun

Dass der Verzicht auch ein bisschen wehtun und nicht ganz leicht sein sollte, gehört wohl ebenso zur Fastenzeit wie die Hoffnung auf geistige wie körperliche Erneuerung und Regeneration. Hier treffen einander zumindest teilweise christliche Lehre und moderner Lifestyle, der in vielen Bereichen auch in Richtung Entschleunigung und „weniger ist mehr“ geht - zumindest als guter Vorsatz. Yoga boomt seit mehreren Jahren ebenso wie „langsame“ Beschäftigungen wie Stricken. Auch der Veganismus-Trend mag mit dem Bedürfnis nach „weniger“ zu tun haben.

Stich von Joseph Parrocel (1646–1704): Jesus in der Wüste
Public Domain

Fastenzeit

Die 40 Tage Fastenzeit ergeben sich aus der Bibel: Es ist die Zeitspanne, während der Jesus in der Wüste gefastet haben soll. Die Sonntage werden nicht mitgezählt, weil sie früher als Ausnahme vom Fasten galten.

Die Aktion Autofasten, die es seit einigen Jahren gibt, ist eine Initiative der Umweltbeauftragten der beiden christlichen Kirchen. Sie ruft dazu auf, in der Fastenzeit umwelt- und gesundheitsfreundliche Alternativen auszuprobieren, also gar nicht oder weniger Auto zu fahren und stattdessen öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad und Fahrgemeinschaften zu nützen - oder zu Fuß zu gehen.

Zeit für „kritische Selbstbefragung“

Das tut nicht nur der Umwelt gut, sondern auch dem eigenen Körper. Als Zeit für eine „kritische Selbstbefragung“ sieht der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler die Fastenzeit. Der Verzicht könne „zu einem festen Vorsatz führen, den eigenen Lebensstil zu ändern“ - oder zumindest ein paar Schritte in diese Richtung zu machen.

Ohnehin passt Bewegung in der freien Natur, allen voran das Wandern, aber auch Laufen und Walken sehr gut zum Gedanken von Reinigung, Zu-sich-Kommen und Umweltschonung. Schließlich stellen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, häufig als Folge mangelnder Bewegung und zu fetter Ernährung, laut Gesundheitsministerium in Österreich mit rund 45 Prozent aller Todesfälle die häufigste Todesursache dar.

Fasten heißt „wählerisch werden“

„Fasten macht innerlich widerständiger gegen ein tödliches Zuviel“, so Glettler. In einer „Zuvielisation“ tue es gut, bewusst etwas wegzulassen. Das gelte nicht nur für die Ernährung, „sind wir doch von einer unbewältigbaren Fülle von Informationen und News zugemüllt“. Fasten heiße wählerisch zu werden, gute Qualitätsfilter einzubauen und befähige so, kritischer und selbstbewusster auszuwählen, so der Bischof in einem Interview mit Kathpress anlässlich des Beginns der Fastenzeit.

Menschen an einem See
ORF.at/Zita Klimek
Entschleunigung ist das Stichwort

Bewusster Umgang mit Ressourcen

Von einer „Entschleunigung“, die „im hektischen Alltag einen unschätzbaren Mehrwert“ bedeute, sprach auch der Superintendent der Evangelischen Kirche für Salzburg und Tirol, Olivier Dantine, in einem Pressegespräch zum Autofasten. Auch wenn den Kirchen der Reformation ein distanzierteres Verhältnis zum Thema Fasten nachgesagt werde, habe in den letzten Jahrzehnten „Fasten im Sinn eines bewussten Umgangs mit den Ressourcen an Bedeutung gewonnen“.

Die Veränderung des eigenen Mobilitätsverhaltens in Hinblick auf eine häufigere Nutzung anderer Verkehrsmittel wie Fahrrad und öffentlicher Verkehr solle dabei nicht einfach einer Entlastung des eigenen Gewissens dienen. Der Verzicht sei so „heilsam für einen selbst, heilsam für den Nächsten und für die kommenden Generationen“, so Dantine.

gril, religion.ORF.at

Mehr dazu:

Links: