Steiermark: Evangelische wählen Superintendenten

Am Samstag wird in der evangelischen Kirche Steiermark ein neuer Superintendent gewählt. Der bisherige Amtsinhaber, Hermann Miklas, tritt nach 19 Jahren im August in den Ruhestand.

Vier Kandidaten stehen für seine Nachfolge zur Wahl. Gewählt wird der neue Superintendent in der Superintendentialversammlung am 10. März in Bruck an der Mur. Notwendig ist eine Zweidrittelmehrheit der 84 Delegierten aus den insgesamt 33 steirischen evangelischen Pfarrgemeinden, wie der Evangelische Pressedienst (epdÖ) in einer Aussendung berichtete. In der Steiermark leben etwa 39.000 evangelische Christinnen und Christen.

Keine Kandidatin

Im Vorfeld konnte jede Pfarrgemeinde demokratisch zwei Personen nominieren. Die vorgeschlagenen Personen wurden durch den Bischof angefragt, ob sie bereit wären, sich der Wahl zu stellen. „Im konkreten Fall waren unter den nominierten Personen auch mehrere Frauen und Männer, die von den Pfarrgemeinden zwar vorgeschlagen wurden, aber nicht bereit waren, die Kandidatur anzunehmen“, so Thomas Dasek vom epdÖ.

Sendungshinweis

Praxis - Religion und Gesellschaft, Mittwoch, 7.3.2018, 16.05, Ö1.

Luise Müller, ehemalige Superintendentin der Diözesen Salzburg und Tirol, bedauert, dass in der Steiermark keine Frau kandidiert. Im Interview mit Ö1 regte sie an, in der evangelischen Kirche - wo Frauen und Männer gleichermaßen die kirchlichen Ämter ausüben können - über Quotenregelungen nachzudenken. Zugleich äußerte sie sich optimistisch, dass für die nächste anstehende Superintendenten-Wahl in Wien am 9. Juni 2018 Frauen, gewählt werden können.

Vier Männer stellen sich der Wahl

Einer der vier Kandidaten für die Steiermark ist Andreas Gerhold (Stainz-Deutschlandsberg). Er wurde am 19. Mai 1958 in Graz geboren, studierte Rechtswissenschaften und Theologie in Graz und Wien, worauf Vikariatsjahre in Linz-Innere Stadt und Hochburg-Ach/Riedersbach (OÖ) folgten. 1990 wurde Gerhold in Braunau am Inn zum Pfarrer der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich ordiniert, seitdem übt er das Amt in der weststeirischen Pfarrgemeinde Stainz-Deutschlandsberg aus.

Superintendenten-Kandidat in der Steiermark, Andreas Gerhold
Privat
Andreas Gerhold aus der weststeirischen Pfarrgemeinde Stainz-Deutschlandsberg

Keine „einsamen Entscheidungen“

Seit 2008 ist Gerhold darüber hinaus Senior für die Region Steiermark-Süd. Für das Amt des Superintendenten hebt Gerhold drei zentrale Aufgaben hervor: „Die geistliche Leitung der Superintendenz, den geschwisterlichen Ausgleich bei Unstimmigkeiten und die Erhaltung des Friedens unter den Pfarrgemeinden.“ Als Ziele für seine Amtszeit nennt Gerhold die Stärkung von Kompetenzen durch gezielte Bildungsförderung, das Lernen aus Besuchen in den Pfarrgemeinden sowie die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bzw. für Familien.

Superintendent

Superintendent (lat. „Aufseher“) ist ein Leitungsamt in der evangelischen Kirche. Die Aufgaben umfassen neben der geistlichen Führung der Diözese unter anderem auch die Aufsicht über die kirchlichen Ordnungen.

Dort, wo Gegeneinander entstehe, wolle er beitragen, ein Miteinander zu gestalten. „Einsame Entscheidungen“ gehörten nicht zu seinem Amtsverständnis, zudem müsse die Arbeit der steirischen Superintendenz immer in die der Landeskirche eingebettet bleiben. In seiner Freizeit widmet sich Gerhold seinen Enkeln, sportlichen Aktivitäten wie Laufen und Wandern sowie der Musik.

In seinem Bücherregal steht ein breites Spektrum von Philosophie bis zu Kriminalromanen, zudem arbeitet er beständig an der Renovierung seines Hauses in der Weststeiermark. Andreas Gerhold ist seit 1979 verheiratet und hat fünf Kinder.

Superintendenten-Kandidat in der Steiermark, Heribert Hribernig
epd/Marco Uschmann
Heribert Hribernig aus dem südburgenländischen Markt Allhau

Menschen erreichen, die am Rand der Kirche stehen

Heribert Hribernig (Markt Allhau), geboren am 5. April 1961 in Graz, studierte von 1979 bis 1983 Theologie in Wien, worauf das Lehrvikariat in Felixdorf/Wiener Neustadt und Stainach-Irdning folgte. Dort übernahm Hribernig nach seiner Ordination im Jahr 1986 auch die Pfarrstelle, ehe er Jahr 2000 ins südburgenländische Markt Allhau wechselte. Seit drei Jahren vertritt Hribernig als Senior die in dieser Funktion karenzierte Evelyn Bürbaumer.

In seinem Programm für die zwölfjährige Amtszeit als Superintendent nennt Hribernig Spiritualität an vorderster Stelle: „Im Zentrum aller kirchlichen Arbeit muss das Evangelium von Jesus Christus stehen und damit der Glaube, der in der Liebe tätig ist.“ In einer Zeit, in der die Vereinsamung zunähme, sei die Frage nach der Gemeinschaft von hoher Bedeutung, zudem müssten Menschen erreicht werden, „die bereits ganz am Rand der Kirche stehen“.

In der Öffentlichkeit präsent sein

Dazu gelte es, „jede Möglichkeit zu nutzen, um in der Öffentlichkeit präsent zu sein“. Er wolle ein Superintendent sein, wie er ihn sich selbst als Pfarrer wünsche: „Mit einem offenen Ohr und Herzen für die Anliegen der PfarrerInnen und Gemeinden und einem klaren evangelischen Profil nach außen“. Hribernig, der seit 20 Jahren unfallfrei mit dem Motorrad unterwegs ist, verbringt seine Freizeit am liebsten Zeit mit seiner Familie und widmet sich der Musik und der Fotografie.

Darüber hinaus ist er als Reiseleiter aktiv: 25 Gruppenreisen vor allem in biblische Länder und weitere Studienreisen stehen auf seinem Konto. Hribernig ist seit 1982 verheiratet und hat drei Kinder.

Superintendenten-Kandidat in der Steiermark, Paul Nitsche
epd/Marco Uschmann
Paul Gerhart Nitsche von der Grazer Kreuzkirche

„Relevante Kirche“

Paul Gerhart Nitsche (Graz-Kreuzkirche) wurde am 20. Oktober 1974 in Graz geboren und studierte von 1993 bis 1999 Theologie in Wien. Nach einem Lehrvikariat in Gallneukirchen wechselte Nitsche als Pfarramtskandidat zum Militärkommando Niederösterreich. Dort war er nach seiner Ordination 2002 auch überregional als Militärpfarrer tätig, ehe er 2010 die amtsführende Pfarrstelle in der Grazer Kreuzkirche übernahm. Als Superintendent will Nitsche die Vielfalt der Evangelischen Kirche A.B. fördern.

Viele Brücken zwischen den einzelnen Gruppen wie Haupt- und Ehrenamtlichen, Frauen und Männern, Pfarrern und Presbytern seien bereits gebaut worden, viel bleibe aber auch noch zu tun. Nitsche betont zudem: „Die Evangelische Kirche soll für die Menschen relevant bleiben“, dafür wolle er sich insbesondere bei den Hilfsbedürftigen, in den Pfarrgemeinden, in der Ökumene sowie im Kontakt zur Politik und anderen Organisationen einsetzen.

Verantwortung übernehmen

Herzen und Köpfe der Menschen müssten gleichermaßen berührt werden: „Die Evangelische Kirche in der Steiermark ist eine moderne Kirche und kann in aller Freiheit Verantwortung übernehmen.“ Der passionierte Segler und Surfer Nitsche widmet sich gerne seinen Kindern und ist als Chorsänger, Tänzer sowie auf Gitarre und Blockflöte vielseitig musikalisch aktiv.

Nitsche, dem Aktionen wie das „Graffiti-Glaubensbekenntnis“ auf der Grazer Kreuzkirche oder der alljährliche Adventmarkt „Tannenduft und Engelshaar“ sehr am Herzen liegen, ist verheiratet und hat sechs Kinder.

Superintendenten-Kandidat in der Steiermark, Wolfgang Rehner
epd/Marco Uschmann
Wolfgang Rehner aus der Pfarre Salzburg-Nördlicher Flachgau

Für „lebendige Vielfalt“

Wolfgang Rehner (Salzburg-Nördlicher Flachgau) wurde 1962 im siebenbürgischen Hermannstadt (Sibiu) geboren und studierte ebendort Theologie. Nach dem Vikariat und der Ordination 1986 übernahm Rehner die Diasporapfarrstelle im rumänischen Bistritz. Nach einer weiteren Station in Kerz bei Hermannstadt wechselte er 1996 in die obersteirische Pfarrgemeinde Ramsau, seit 2014 ist er amtsführender Pfarrer in Salzburg-Nördlicher Flachgau.

Als besonderen Schwerpunkt des Superintendentenamtes versteht Rehner die „geistliche Leitung der Gemeinden, der Kirche mit ihren gewählten Körperschaften, Pfarrerinnen und Pfarrern“. Diese, verbunden mit gutem Management, solle eine „Kultur des Miteinander, des gegenseitigen Vertrauens schaffen“. Er freue sich zudem auf den ökumenischen und gesellschaftlichen Dialog mit Personen, die nicht zur evangelischen Kirche zählen. Diese lebendige Vielfalt, auch innerhalb der Kirche, ergebe gute Chancen für die Zukunft.

Evangelische „Stimme des Protests“

Im gesellschaftlichen Diskurs werde es zudem immer wieder nötig sein, „die evangelische Stimme als eine des Protests zu erheben“. Wichtiger als mediale Aufmerksamkeit sei dabei die „Hinwendung zu ZeitgenossInnen, die sich mit Kirche und Glauben nicht identifizieren können und wollen“. Rehner, der sich sehr stark durch die Jugendarbeit geprägt sieht, verbringt seine Freizeit gerne beim Singen oder mit Büchern und Zeitungen, auf Wanderungen oder Reisen und hat großes Interesse an Geschichte. Er ist seit 1988 verheiratet und hat drei Kinder. Seit 1998 ist Rehner österreichischer Staatsbürger.

religion.ORF.at/epdÖ

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