Italien-Wahl: Vatikan will weiter auf Integration setzen

Nach dem Sieg der ausländerfeindlichen Lega bei den Parlamentswahlen in Italien will sich der Vatikan weiterhin bemühen, eine positive Haltung gegenüber Migranten zu fördern.

„Das ist eine Arbeit, die wir fortsetzen werden“, sagte der vatikanische Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin, nach Medienangaben am Dienstag. Der Heilige Stuhl werde „sein Erziehungswerk fortsetzen“, sagte er der katholischen Nachrichtenagentur SIR in Rom. Dies brauche aber „viel Zeit“.

Einsatz auch bei ungünstigen Bedingungen

„Der Heilige Stuhl muss unter den Bedingungen arbeiten, die sich bieten. Wir können nicht die Gesellschaft haben, die wir gern hätten, wir können nicht die Bedingungen haben, die wir gern hätten“, sagte Kardinal Parolin. Wichtig sei es, die Bevölkerung „von einer negativen Haltung zu einer positiveren Haltung gegenüber Migranten“ zu bewegen. Dies gelte unabhängig davon, ob die Voraussetzungen „mehr oder weniger günstig“ seien.

Die Fünf-Sterne-Bewegung erzielte in Kammer und Senat gut 32 Prozent, das Mitte-Rechts-Bündnis von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi und der fremdenfeindlichen Lega liegt in den beiden Parlamentskammern bei 37 Prozent.

Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin
APA/EPA/CLAUDIO PERI
Der vatikanische Staatssekretär Kardinal Pietro Parolin

Bedürfnisse nach Sicherheit

An katholische Einrichtungen, die in der Flüchtlingsaufnahme tätig sind, appellierte der Kardinalstaatssekretär, ihr Engagement für eine „positive Sicht der Migration“ fortzusetzen. Zugleich gelte es, Sicherheitsbedürfnisse der Bürger mit den Bedürfnissen der Flüchtlinge zu verbinden. Dies sei „nicht leicht“, sagte Parolin. Diese Aufgabe komme der Politik zu. Alle Beteiligten müssten sich der Schwierigkeiten bewusst sein, Lösungen finden wollen und zusammenarbeiten, betonte der Kardinal.

Parolin äußerte sich am Rande der Vorstandstagung der Internationalen Katholischen Migrationskommission (ICMC) in Rom. Dazu sind von Dienstag bis Donnerstag Vertreter von Bischofskonferenzen und in der Arbeit für Flüchtlinge und Migranten engagierten katholischen Organisationen in der italienischen Hauptstadt versammelt.

Parolin für „gerechte Verteilung“

Auch in seiner Ansprache zum Auftakt der Konferenz der Internationalen katholischen Kommission für Migration am Dienstag in Rom wandte sich Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gegen eine Haltung der Abwehr und Angst im Umgang mit Migranten. Zugleich rief er die Regierungen zu einem entschiedeneren Schutz der Menschenrechte von Flüchtlingen und Migranten auf. Die Verantwortlichkeiten und Lasten bei der Aufnahme seien „echt und gerecht“ zu verteilen, verlangte er.

Gerade die wirtschaftsstärksten Staaten verdankten einen erheblichen Teil ihres Wohlstands dem Beitrag von Einwanderern, so Parolin. Auch seien die „teils schrecklichen“ Ursachen und Umstände der Migration bekannt. Dennoch werde Migration „nur als Notstand oder Gefahr“ wahrgenommen. Dabei sei sie längst „ein charakteristisches Element unserer Gesellschaften“.

Migrantenfamilien schützen

Parolin warb auch für einen besonderen Schutz der Migrantenfamilien. Er verwies auf Familien, bei denen ein Ehepartner, die Kinder oder die Großeltern im Heimatland zurückgelassen und der Armut ausgesetzt seien. Dabei erwähnte er den Einsatz der Internationalen katholischen Kommission für Migration auf diesem Feld.

Weiter hob er deren Zusammenarbeit mit der Flüchtlingssektion in der päpstlichen Entwicklungsbehörde sowie mit dem vatikanischen Staatssekretariat und internationalen Organisationen hervor. Migration sei inzwischen ein Thema bei jedem Treffen zwischen dem Vatikan und Regierungsvertretern, sagte Parolin bei der Konferenz der Katholischen Migrationskommission.

Migrationskommission wählt Präsidenten

Auf der Tagesordnung der Konferenz stehen Entscheidungen zur strategischen Ausrichtung der Arbeit der Migrationskommission sowie die Wahl eines Nachfolgers für ICMC-Präsident Peter Sutherland (1946-2018). Der ehemalige EU-Kommissar und WTO-Chef war zu Jahresbeginn verstorben. Am Donnerstag werden die ICMC-Vertreter von Papst Franziskus in Audienz empfangen.

religion.ORF.at/KAP

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