Religionsvertreterinnen „Hand in Hand gegen rechts“

Zum internationalen Frauentag treten Frauen unterschiedlicher Religionen und Konfessionen „Hand in Hand“ gegen die Verbreitung sowie Duldung rechtspopulistischen Denkens und Handelns in Politik und Gesellschaft auf.

„Wir treten ein für die Wahrung der Würde aller Menschen“, so die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfb), Veronika Pernsteiner, im Namen von Vertreterinnen aus dem Islam, dem Judentum, dem evangelischen wie katholischen Christentum sowie dem Buddhismus. Laut einer Aussendung der kfb vom Mittwoch, setzen sich die Frauen mit einer über Facebook verbreiteten Fotoaktion, die sie Hand in Hand über den Wiener Heldenplatz gehend zeigt, ein Zeichen für die Stärke des Bündnisses von Frauen, über religiöse und kulturelle Unterschiede hinweg.

„Lassen uns nicht auseinanderdividieren“

„Der Internationale Frauentag ist uns Anlass zu demonstrieren, dass wir uns in unserer Vielfalt nicht auseinanderdividieren lassen und Hetze, Angstmache, Rassismus und Sozialabbau solidarisch entgegentreten“ so die Initiatorinnen via kfb-Aussendung.

Amani Abuzahra, Dulika Edirisingha,  Barbara Heyse-Schäfer,  Sr. Beatrix Mayrhofer und Veronika Pernsteiner sowie Joan Salmang "Hand in Hand" gegen Rechts
kfb
Initiatorinnen der Aktion „Hand in Hand“ v.l.: Sr. Beatrix Mayrhofer, Joan Salmang, Amani Abuzahra, Veronika Pernsteiner, Barbara Heyse-Schäfer, Dulika Edirisingha

Die Schwächsten in der Gesellschaft - etwa Arbeitslose, Geflüchtete, Geringverdienende, Alleinerziehende, dabei insbesondere Frauen - bekämen die Auswirkungen rechts orientierten Denkens und Handelns besonders zu spüren, etwa über Maßnahmen zum Abbau des Sozialstaats, die Einschränkung von Rechten und demokratischen Strukturen oder den politisch und medial vorangetriebenen abwertenden Diskurs über Gender und Geschlechtergerechtigkeit.

Für Wende des öffentlichen Bewusstseins

Dazu dürfe nicht geschwiegen werden, das müsse beim Namen genannt und verantwortet werden, fordert das Bündnis. Notwendig sei eine nachhaltige Wende des öffentlichen Bewusstseins sowie weiter Bereiche der Politik hin zum Einsatz für die Wahrung menschlicher Würde und sozialer Gerechtigkeit.

Getragen wird die Foto- und facebook-Aktion von Pernsteiner, Sr. Beatrix Mayrhofer von den österreichischen Frauenorden, der evangelischen Pfarrerin Barbara Heyse-Schäfer, der an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien/Krems lehrenden Muslimin Amani Abuzahra, der Jüdin Joan Salmang und der Buddhistin Dulika Edirisingha.

Sie wollen ein Zeichen für die Stärke des Bündnisses von Frauen über religiöse und kulturelle Unterschiede hinweg setzen, wie Pernsteiner betonte. Die Aktion schließt an einen ersten Auftritt von Frauen unterschiedlicher Religionen und Konfessionen an, die im Jänner 2015 „Hand in Hand gegen Angst und Gewalt“ über den Wiener Heldenplatz gingen.

„Demokratisches Europa lebt von Toleranz“

Anlass seien damals aufkommende rechte Hetze und eine Demonstration des Bündnisses „PEGIDA“ gewesen, so die kfb . Im seinerzeit zur Aktion veröffentlichten Text „Vertrauen, Dialog und Gerechtigkeit“ hieß es: „Menschenverachtung, Hass und Terror dominieren die Nachrichten. Ein Klima der Angst, Abwehr und Aggression stellt jene Werte in Frage, für die demokratische Gesellschaften stehen. Menschen fehlt zunehmend das Vertrauen in Politik und Institutionen. Sie bezweifeln, dass ein Miteinander unterschiedlicher gesellschaftlicher Kräfte für ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit möglich ist. Sie schüren Hass und hetzen gegen andere wie etwa die Demonstrationen des Bündnisses ‚PEGIDA‘ zeigen.“

(V.l.n.r.): Sr. Beatrix Mayrhofer, Amani Abuzahra, Susanne Scholl, Melitta Toth, Barbara Heyse-Schaefer, Geetha Nayak
KFB/Erich Leonhard
2015 gab es die erste „Hand in Hand“-Aktion

Und weiter: „Aber ein demokratisches Europa lebt von der Toleranz und dem Vertrauen in die politische Gestaltbarkeit von Gemeinschaft. Dafür gilt es, einander zu respektieren, miteinander zu sprechen, voneinander zu wissen“. Trägerinnen der Aktion von 2015 waren die Muslimin Amani Abuzahra, die evangelische Christin Barbara Heyse-Schäfer, die katholische Christin Sr. Beatrix Mayrhofer, die Hindu Geetha Nayak, die Jüdin Susanne Scholl und die katholische Christin Melitta Toth.

Chalupka: „Halbe-halbe muss Grundsatz sein“

„Familienpolitik kann Frauenpolitik nicht ersetzen“: Darauf wies Michael Chalupka, Direktor der evangelischen Diakonie, in einer Aussendung anlässlich des Weltfrauentags hin. „Nur mit Worten anzuerkennen, dass Frauen vor allem in der Hausarbeit und Kinderbetreuung mehr leisten als Männer, ist zu wenig.“ Es gehe darum, die Lasten gleich zu verteilen. „Als Mann bin ich davon überzeugt: Halbe-halbe muss Grundsatz in unserer Gesellschaft sein“.

Darüber hinaus sei klar: Betreuung für Kinder und alte Menschen außer Haus entlaste nicht nur Frauen, sondern auch Männer. „Alle profitieren von Kinderbetreuungseinrichtungen, mobilen Diensten in der Altenbetreuung und ganztägigen Schulformen. Deshalb ist ein Ausbau dringend geboten“, so Chalupka.

Investitionen in Pflege und Kinderbetreuung

80 Prozent der Kinder unter drei Jahren werden laut Diakonie ausschließlich zu Hause betreut. Damit sei Österreich unter den Schlusslichtern in der Europäischen Union. Ähnliches gelte für die Altenbetreuung: 42 Prozent der Pflegegeld-Beziehenden - das entspricht 187.000 Personen - würden in Österreich ausschließlich von ihren Angehörigen zu Hause betreut.

Deshalb muss aus Sicht der Diakonie in soziale Dienste wie Pflege und Betreuung, aber auch in Ganztagsschulen und Kindergärten investiert werden. Vorrangig helfe das den Kindern und den älteren Menschen, aber auch den Betreuenden - „und das sind zumeist Frauen“, so Chalupka.

religion.ORF.at/KAP

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