„70 Jahre Rosenkranz-Sühnekreuzzug“

Die Liveübertragung des Festgottesdienstes zum 70-Jahr-Jubiläum des Rosenkranzsühnekreuzzugs aus der Franziskanerkirche in Wien. Mit der Gemeinde feierten Erzbischof Franz Lackner und Guardian Felix Gradl.

„Tut, was ich euch sage, und ihr werdet Frieden haben.“ - von dieser Friedens-Botschaft aus Fatima inspiriert, wurde 1947 in den ersten Jahren des Wiederaufbaus in Österreich der Rosenkranz-Sühnekreuzzug gegründet. Im Zeichen dieser Friedensbotschaft stand auch der Gottesdienst, den der Salzburger Erzbischof Franz Lackner als ranghöchster Vertreter des Franziskanerordens in Österreich mit dem Guardian des Wiener Franziskanerklosters Pater Felix Gradl und der Gemeinde feierte.

Was ihr angenommen habt, das tut!

Lesung: Philipper 4

Brüder! Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren. Schließlich, Brüder: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht! Was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.

MUSIK

Maria, dich lieben

Christopher Tambling:
Missa Festiva. Kyrie

Gloria, Ehre sei Gott

Ermuntert euch und singt mit Schall!

Hubert Feiler: Halleluja

Ernst Tittel: Jubilate Domino

Heilig, heilig, heilig

William Lloyd Webber:
Mass Prince of peace. Agnus Dei

Der Sonnengesang
des Heiligen Franziskus

Schutzfrau Öst’reichs

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Chor und Bläser von Ars Musica
Solosopran: Christina Pass

Flöte: Jeanette Lehrer

Bläserensemble Brassissimo

Orgel: Peter Tiefengraber

Musikalische Leitung:
Thomas Dolezal

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden

Evangelium: Matthäus 21

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: "Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen, denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.

Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun?" Sie sagten zu ihm: „Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.“ Und Jesus sagte zu ihnen: „Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder? Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.“

Der Aufruf an uns

Predigt von Erzbischof Lackner

Vor 100 Jahren ist in Fatima die Mutter Gottes drei Hirtenkindern mehrmals erschienen. Die Kirche anerkennt diese Erscheinung als eine Privatoffenbarung. An sich ist das offenbarende Wirken Gottes in Jesus Christus abgeschlossen. Dazu lesen wir im Prolog zum Johannesevangelium: „Der einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ Mehr an Zusage Gottes ist nicht möglich. Das sagt der Evangelist am Anfang, am Ende seiner irdischen Mission spricht Jesus: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.“ Unser Verstehen hört niemals auf. Das ist Grund und authentischer Ort von Privatoffenbarungen. Diesem wohnt zwar nichts Neues inne, sie sind jedoch, nach einem Wort von Karl Rahner, wichtige Impulse und Imperative, das Evangelium im Lichte der jeweiligen Zeit zu leben.

In einer Zeit fürchterlich kriegerischer Wirren - der erste Weltkrieg war im Gange –Europa begann sich zu spalten, eiserne Vorhänge kündigten sich an, da erscheint Maria drei Kindern. Welch innige Begegnung im Getöse der Mächtigen? Lucia, Jacinta und Francisco – einfache Hirtenkinder, sie hören den Zuruf der Mutter des Erlösers. Das Bibelwort Jesu drängt sich auf: „Lasst die Kinder zu mir kommen!“ Kinder haben einen hohen Grad von Ursprünglichkeit, schenken maßlos Vertrauen und vor allem: sie können glauben. Maria, einst einfaches Mädchen aus Nazareth, sagt Ja zu Gott und seinem Wort. „Mir geschehe wie du gesagt hast.“ Während des öffentlichen Wirkens Jesu ist von Maria nur ein Wort überliefert, ein Imperativ bei der Hochzeit zu Kana: „Was er euch sagt, das tut!“ So ein Imperativ steht auch am Anfang seiner Verkündigung: Kehrt um und glaubt an das Evangelium! Nach Tod und Auferstehung Jesu Christi, finden wir Maria mit Frauen und den Jüngern „einmütig im Gebet vereint“.

Gebet und Umkehr – die zentrale Botschaft von Fatima, der Aufruf, der nun an uns ergeht. In Österreich hat nach dem zweiten Weltkrieg der Franziskaner Pater Petrus den Ruf der Mutter Gottes verspürt, für den Frieden zu beten. Die Gebetsgemeinschaft des Rosenkranzsühnekreuzzuges weiß sich diesem Anliegen bis auf den heutigen Tag verpflichtet. Liebe Schwestern und Brüder, die Welt schreit nach Frieden - Hass, Gewalt, Terror und Krieg erschüttern die Grundfeste des Zusammenlebens. Setzten wir ein Zeichen! Vertrauen wir dem Zuruf der Muttergottes: Betet und es wird Frieden sein!

Eine Gemeinschaft Betender

Der Rosenkranz-Sühnekreuzzug wurde von einem Pater gegründet, der im Zweiten Weltkrieg Sanitäter gewesen und in Frankreich zum Kriegsgefangenen geworden war. Pater Petrus Pavlicek dankte 1946 in Mariazell für seine Heimkehr und betete für Österreich. In Erinnerung an das Bibelwort „Tut, was ich euch sage, und ihr werdet Frieden haben!“ kam er auf die Idee, eine Gemeinschaft von Rosenkranzbetern zu gründen. Als sich ihm etwa 500 Mitglieder anschlossen, empfahl Kardinal Innitzer die Gruppe im Amtsblatt der Erzdiözese und die Zahl der Mitglieder stieg. Bis im Mai 1955 war es mehr als eine halbe Million Betende, darunter auch Leopold Figl und Julius Raab. In der unerwarteten Zustimmung der Russen zum Staatsvertrag sahen viele eine Erfüllung ihrer Bitten an die Gottesmutter, auch Raab meinte: „Wenn nicht soviel gebetet worden wäre, hätten wir es wohl nicht geschafft.“

In weiterer Folge ging es den Gläubigen nicht nur um das eigene Land, sondern um den Frieden in aller Welt, die Gefahren atomarer Rüstung und um verfolgte Christinnen und Christen. Nach der Errichtung der Berliner Mauer 1961 etwa versammelten sich zum Rosenkranzfest 80000 Gläubige zu einem Fatima-Gebet in Württemberg. Und bedauerlicherweise bietet auch die Weltlage bis heute Anlass zum Gebet für Frieden, Vernunft und Respekt.

Rosenkranz-Sühnekreuzzug aktuell

www.rsk-ma.at

Weitere Übertragungen aus der Franziskanerkirche

„Gottes Wort verändert die Welt“, 16. März 2014

„Europa quo vadis?“, 18. Mai 2014

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Thomas Bogensberger