"Jahas Versprechen“ und „Mütter in Schande“

In Gambia, einem kleinen westafrikanischen Land, sind nahezu 100 Prozent aller Frauen beschnitten, besser gesagt: Sie sind genitalverstümmelt, da man ihnen Klitoris und Schamlippen weggeschnitten hat.

Logo von Kreuz & Quer
ORF

Sendungshinweis

Dienstag, 16. Jänner 2018
um 22.35 Uhr, ORF 2

Die „kreuz und quer“-Dokumentation „Jahas Versprechen“ von Patrick Farrelly und Kate O’Callaghan stellt am Dienstag, dem 16. Jänner 2018, um 22.35 Uhr in ORF 2 die Frauenrechtsaktivistin Jaha Dukureh aus Gambia vor, die sich in ihrem Heimatland für ein Verbot dieser Praxis einsetzt.

Uneheliche Kinder gelten in den meisten arabischen Staaten als Kinder der Sünde. Ihre Mütter werden beschimpft und in dem meisten Fällen von ihren Familien verstoßen.

Ausgegrenzt, am Rande der Gesellschaft, müssen sie sich mit ihren Kindern ohne staatliche Unterstützung durchs Leben schlagen. Mit diesem erschütternden Thema beschäftigt sich um 23.25 Uhr die „kreuz und quer“ Dokumentation „Mütter in Schande“ des deutsch-spanischen Filmemachers Lorenzo Benítez.

Jaha Dukureh
ORF/First Hands Films

„Jahas Versprechen – Eine Frau kämpft gegen Genitalverstümmelung“

Eine Woche nach ihrer Geburt wurde die Gambierin Jaha bereits beschnitten – auf die brutalste Art: Bei ihr wurde die sogenannte „Pharaonische Beschneidung“ vorgenommen. Dabei werden Klitoris und Schamlippen total entfernt und die Vagina wird bis auf eine winzige Öffnung zugenäht.

Bewusst wurde das Jaha erst mit 15 Jahren, als sie mit einem wesentlich älteren, in Amerika lebenden Mann zwangsverheiratet wurde. Der Vollzug der Ehe konnte erst erfolgen, als ein Arzt die Vagina chirurgisch wieder öffnete.

Doch das eheliche Leben wurde zur Qual. Eine traumatische Erfahrung für die noch junge Ehefrau: einem Ehemann hilflos ausgeliefert zu sein, der auf ihre Schmerzen keinerlei Rücksicht nimmt und sie auch immer wieder schlägt und demütigt. Erst nachdem Jaha in New York Kontakt zu einer Frauenrechtsorganisation aufgenommen hatte, wagte sie die Flucht aus ihrer Zwangsehe.

Wenig später arrangierte ihre Familie eine zweite Ehe für sie. Doch auch in der an sich harmonisch verlaufenden Beziehung erkannte Jaha, dass sexuelle Kontakte extrem schmerzhaft für sie waren und sie keinerlei Lustgefühle empfinden konnte. Als sie mit anderen beschnittenen Frauen über dieses Thema redete, stellte sie fest, dass es ihnen ähnlich erging.

Sie alle waren Opfer einer uralten Tradition, die noch aus der Zeit vor der Entstehung der großen Weltreligionen stammt. Zwar wird immer wieder behauptet, im Islam sei die Beschneidung von Frauen vorgeschrieben, dies stimmt allerdings nicht. Im Koran ist nichts darüber zu finden.

Überzeugt davon, dass man Frauen und Mädchen vor solchen grausamen Praktiken bewahren muss, gründete Jaha die Selbsthilfeorganisation „Save Hands for Girls“. Und sie kehrte in ihr Geburtsland Gambia zurück und begann auch dort über die schlimmen Folgen der Genitalverstümmelung zu reden.

Engagiert und selbstbewusst schaffte es Jaha, sogar mit der Regierung und mit einflussreichen islamischen Geistlichen in Kontakt zu treten. Der größte Erfolg ihrer Aufklärungskampagne in Gambia ist wohl, das im Jahr 2015 der damals amtierende Staatspräsident Yahya Jammeh offiziell das Verbot der Beschneidung von Frauen verkündete. Doch es wird lange dauern, bis diese frauenverachtende Tradition ausgemerzt ist.

– Ein Film von Patrick Farrelly und Kate O’Callaghan (deutsche Bearbeitung: Rosemarie Pagani-Trautner)

Mütter in Schande
ORF/3boxmedia/Valentin Romero

„Mütter in Schande“

In den meisten arabischen Staaten ist Sex vor der Ehe verboten, besonders für Frauen. Das gilt auch in Marokko. Sollte eine junge unverheiratete Frau dennoch eine sexuelle Beziehung mit einem Mann eingehen und dabei schwanger werden, muss sie mit gesellschaftlicher Ächtung rechnen.

Hafida ist eine junge Marokkanerin, die bei einer kurzen Sommerliebe ungewollt schwanger wurde. Der Vater des Kindes ließ sie sitzen und setzte sich nach Italien ab. Aus Angst vor ihrer Familie floh Hafida aus ihrer Heimatstadt El Jadida in die nordmarokkanische Stadt Tanger, um in der Anonymität der Großstadt ihren kleinen Sohn aufzuziehen. Viele Frauen sehen sich allerdings nicht in der Lage, ein Kind alleine aufzuziehen und entschließen sich zur Abtreibung oder setzen ihr Neugeborenes einfach aus.

In Tanger ist Hafida mit dem Verein „100 Prozent Mamas“ in Kontakt gekommen. Einer Organisation, die sich für die Rechte lediger Mütter und deren Kinder einsetzt und ihnen finanzielle Unterstützung, Unterkunft und Ausbildung bietet. Sie hat begonnen, bei „100 Prozent Mamas“ aktiv mitzuarbeiten, um anderen Frauen in schwierigen Situationen beizustehen.

So hält sie vor Arbeiterinnen und Schülerinnen Aufklärungsunterricht und lehrt die jungen Frauen, wie sie sich vor ungewollten Schwangerschaften schützen können. Auch Männer – zum Beispiel Psychologen und Psychiater – engagieren sich im Verein „100 Prozent Mamas“ für junge alleinstehende Mütter. Ein Lichtblick zwar, doch erst ein Beginn, die prekäre und ungerechte Situation von Frauen in einer männerdominierten Welt zu verbessern.

Ein Film von Lorenzo Benítez (deutsche Bearbeitung: Rosemarie Pagani-Trautner)