„bau.stein.zukunft“

Live aus der Pfarrkirche St. Wolfgang im Tiroler Jenbach übertrug der ORF einen katholischen Gottesdienst zum Thema Kirchenbau. Mit der Gemeinde feierte Pfarrprovisor Wolfgang Meixner.

Am Welttag der Kranken und mitten im Fasching - gemeinsam Kirche bauen, sichtbar an der Außensanierung der Pfarrkirche und am gemeinsamen Arbeiten und Leben; bunte Bausteine ziehen sich als sichtbarer roter Faden durch den Gottesdienst. „Jeder und jede einzelne von uns ist in den Augen Gottes ein wichtiger Baustein für eine gute Zukunft, die Christus uns verspricht“, sagt Pfarrprovisor Wolfgang Meixner.

Christus zum Vorbild nehmen

Lesung: Erster Paulusbrief an die Korinther 10

Ob ihr esst oder trinkt oder etwas anderes tut, tut alles zur Verherrlichung Gottes! Gebt weder Juden noch Griechen, noch der Kirche Gottes Anlass zu einem Vorwurf! Auch ich suche allen in allem entgegenzukommen, ich suche nicht meinen Nutzen, sondern den Nutzen aller, damit sie gerettet werden. Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme.

Ich will es

Evangelium: Markus 1

In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe.

MUSIK

Nun jauchzt dem Herren, alle Welt!

Herr, erbarme dich unser!

Gott in der Höh sei Preis und Ehr

Herr, dein Wort
ist Licht und Wahrheit

Wenn das Brot, das wir teilen

Heilig ist Gott in Herrlichkeit

Lamm Gottes

Kostet und seht!

Nun danket alle Gott!

Fantasia per modo fugae

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Kirchenchor Jenbach
Leitung: Sepp Gassner

Orgel: Annedore Kraler

Er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: „Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.“ Jesus hatte Mitleid mit ihm, er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: „Ich will es - werde rein!“ Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein.

Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: „Nimm dich in acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein.“

Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war. Er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte, er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

Mittendrin statt außen

Predigt mit dreifacher Handpuppe

Was siehst du? Einen Frosch, einen Prinzen oder eine Prinzessin? Wir sind mitten im Fasching, der Zeit, in der viele Menschen gerne in andere Rollen schlüpfen. Einmal ganz wer anderer sein! Einmal mitten drinnen sein im Geschehen statt nur dabei. Statt außen! Einmal die Alltagssorgen beiseite lassen und richtig lachen dürfen!

Mittendrin sein im Geschehen statt vor dem Dorf draußen allein. So stelle ich mir auch den Wunsch des Mannes im Evangelium vor. Nicht nur, dass er eine schwere Krankheit hatte. Dass es ihn jucken musste am ganzen Körper. Noch viel schlimmer musste das Gefühl sein, allein da draußen zu sein. Nicht beachtet zu werden. Dass es niemanden juckte, wie es ihm geht.

Und dann diese Begegnung. Da kommt einer und bleibt stehen. Schaut ihn direkt an. Lässt sich ansprechen und spricht ihm zu. „Ich will es. Werde rein.“ Einer, der in diesem Moment ganz bei ihm ist. Der ihm die volle Aufmerksamkeit schenkt. Die ganze Hingabe. Ihm die Hand entgegenstreckt – ihn berührt. Und dabei ihm das Herz und Worte aus diesem Herzen schenkt.

Weil er keine Angst hat, weil er nicht nach Vorschrift handelt. Gegen all die „das darf man nicht“ und „das war aber immer so“, die AUS-Sätze, die verallgemeinern, anstatt die Bedürfnisse des einzelnen ernst zu nehmen. Dagegen der eine EIN-Satz. „Ich will es – werde DU rein!“ Damit begegnet dem Mann in Jesus das ganz konkrete DU Gottes. Und damit darf er zum konkreten DU für Gott werden. Das heilt, das befreit zu neuem Leben. Das setzt einen Baustein für ein Zukunft.

So wie Jesus dem Mann damals begegnet ist, so will er dir und mir heute, jetzt, hier in der Kirche und bei dir zu Hause - begegnen. In gleicher heilsamer Weise. Sagt er zu uns: „Werde rein! Du. Werde, was du bist!“ Jesus möchte, dass du und ich genau die werden, die wir in den Augen Gottes sind. Es braucht jeden einzelnen von uns als Baustein für seine bunte, lebendige Kirche.

So wie vor 500 Jahren die Bauleute dieser Kirche jeden einzelnen Stein begutachtet haben und jedem einen Platz in der Mauer zugeordnet haben, so braucht Jesus heute uns als viele lebendige Bausteine, damit Glaube mit ihm leben kann.

Ich denke an viele Menschen in unseren Pfarren, die im Alltag Bausteine im Sinne Jesu sind. Die Frau, die liebevoll ihren Mann pflegt bis hinein in die letzten Stunden. Und mit der ich gemeinsam für ihn beten darf. Der junge Mann im Altersheim, der im Gottesdienst der Frau im Rollstuhl beim Segen ein Kreuzzeichen auf die Stirn gibt, weil sie es selber nicht mehr schafft. Der Bub, der mit mir heuer Sternsingen war, obwohl er ohne Bekenntnis ist. Und als ihn einer schief anredet, dass er doch gar nicht christlich sei, spontan die Antwort gibt: „Doch, weil der Pfarrer mein Kumpel ist!“

Es sind viele kleine Alltagsszenen, viele einzelne einfachen EIN-Sätze, die ich noch erzählen könnte, in denen Begegnung im Glauben passiert. Sie stehen für die bunten Bausteine, die wir heute im Gottesdienst einbringen, mit denen die Kinder heute eine Kirche bauen, damit wir es auch sehen können. Und im gemeinsamen Singen, Beten und Feiern, im Versammelt sein am Tisch Jesu, wird aus diesen Bausteinen Kirche. Unser gelebter Glaube ist dabei wie Mörtel, der uns zusammenhält. Wird Jesus wirklich zum Schlussstein, der uns alle zusammenhält. Reinigt und heilt jeder Gottesdienst uns selbst, so dass wir strahlen können wie eine frisch renovierte Wand.

Frosch, Prinz, Prinzessin - was die drei meiner Puppe eint, ist die Krone, die sie alle drei haben. Und die gilt uns heute allen auch. In den Augen Jesu haben wir alle königliche Würde. Sind wir wertvoll, einzigartig, unersetzbar. So wie der Mann im Evangelium.

„Man sagt nichts Wesentliches über eine Kirche, wenn man nur von den Steinen spricht.“ Dieser Satz stammt von Antoine de Saint-Exupéry, dem Schöpfer des kleinen Prinzen mit dem bekannten Satz: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Uns wurde vor 500 Jahren dieses wunderschöne, königliche Gotteshaus gebaut, dass wir gerade restaurieren, um es für die nächsten Generationen zu erhalten. Doch erst mit dem Gebet wird eine Kirche zur Kirche. Dann, wenn wir wie Jesus den anderen - der oder die gerade neben dir ist - mit dem Herzen anschauen, wenn ich dich mit den Augen Jesu sehe. Wenn wir mit all dem, was uns ausmacht, Zeugnis geben, wird sein Königreich mitten unter uns konkret.

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