„Paul Chaim Eisenberg und der jüdische Humor“ und „Liebe – aber koscher“

Wer etwas über jüdischen Humor in Wien erfahren will, kommt an Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg nicht vorbei. Niemand erzählt Witze so wie er, niemand verkörpert eine so feinsinnige, kluge Heiterkeit und ist gleichzeitig eine zentrale Figur des österreichischen Judentums.

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ORF

Sendungshinweis

Dienstag, 06. Februar 2018
um 22.35 Uhr, ORF 2

In der jüdischen Gemeinschaft kritisieren manche den umtriebigen Rabbiner als „Entertainer“. Für Eisenberg ist Humor aber nicht Selbstzweck, sondern vor allem eine Methode, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf ernstere Anliegen zu lenken.

Für „kreuz und quer“ führt Eisenberg das Team um Thomas Grusch und Elisabeth Krimbacher am Dienstag, dem 6. Februar 2018, um 22.35 Uhr in ORF 2 an ausgesuchte Orte, an denen er gemeinsam mit seinen Freundinnen und Freunden die Tiefen und Untiefen der jüdischen Heiterkeit erläutert.

Der Oberrabbiner führt Regie auf dieser spontanen und sehr amüsanten Reise durch das lebendige jüdische Wien.

Ein Rabbiner, der seine Berufung als jüdischer Ehevermittler entdeckt hat, ein chassidisches Ehepaar, das sich nach dem zweiten Date zur Hochzeit entschlossen hat, und ein junger, hipper Rapper, der sich zum konservativen Judentum bekennt – die Protagonisten der Dokumentation „Liebe – aber koscher“ bilden ein eher ungewöhnliches Gespann:

Evan Beloffs Film wirft um 23.15 Uhr einen – überwiegend heiteren – Blick auf ein Thema von großer Tragweite, das letztlich alle Menschen betrifft, und zwar völlig unabhängig von jeder Religionszugehörigkeit: Wie findet man den Partner und die Liebe fürs Leben?

Paul Chaim Eisenberg (Oberrabbiner von Österreich / Ehemaliger Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde Wien).
ORF/Tausend Rosen

„Wenn der Rabbi lacht – Paul Chaim Eisenberg und der jüdische Humor“

Humor hat im Judentum einen fixen Stellenwert – egal ob es um Religion, die tragische Geschichte, Politik, Familie oder den ganz normalen Alltag geht: Die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, ist vor allem ein Zeichen für Offenheit und Toleranz. „Ich hab’ noch nie einen Fundamentalisten lachen sehen“, sagt Paul Chaim Eisenberg.

Sein Motto: „Die Rabbiner müssen die Regeln kennen, der Oberrabbiner auch die Ausnahmen.“ Diese Art von Augenzwinkern lässt sich auch auf viele religiöse Fragestellungen im Judentum anwenden; denn der Mensch mit all seinen Schwächen, Sorgen und Zweifeln steht hier im Mittelpunkt – und nicht die absolute Wahrheit.

Bei Eisenberg zu Hause gibt es auch einiges zu lachen: „Mit Humor werden sie angelockt, und sind sie einmal da, dann kriegen sie die Thora eingebläut“, kommentiert Eisenberg seinen wöchentlichen Schi’ur, die Thora-Lernstunde. Eine begeisterte Schülerin ist die Direktorin des Jüdischen Museums, Danielle Spera: „Es macht Spaß, mit ihm zu lernen.“

Beim Besuch im Wiener Stadttempel trifft Eisenberg auf seinen langjährigen Freund und Mitarbeiter Rami Ungar-Klein. Der Tempeldiener hat mehr als 20 Jahre „geschaut, dass für seinen Chef das Werkl rennt“. Paul Chaim Eisenberg trat 1983 in die Fußstapfen seines Vaters Akiba Eisenberg und war bis 2016 Oberrabbiner von Wien. In dieser Zeit gelang es ihm, die inhomogene Wiener jüdische Gemeinde unter anderem mit seinem „Wiener Schmäh“ zu einen.

In seiner Funktion als spirituelles Oberhaupt der Juden Österreichs setzte sich Eisenberg auch für den Dialog mit Vertretern anderer Religionen ein. Seine große Musikleidenschaft lebt er in einem gemeinsamen interreligiösen Bandprojekt („Shalom. Music Between Friends“) mit dem evangelischen Bischof Michael Bünker und Vertretern der katholischen Kirche aus.

Der musikalische Projektleiter, Klezmer-Star Roman Grinberg, beschreibt Paul Chaim Eisenberg nicht nur als talentierten Sänger, sondern auch als perfekten Bühnenunterhalter, der weiß, wie man das Publikum begeistert. Und wenn man über den Humor in der evangelischen Kirche sprechen möchte? Lakonische Antwort des evangelischen Bischofs: „Da sind wir schnell fertig.“

Eine weitere langjährige Freundin ist die Psychotherapeutin Ruth Werdigier: Für sie ist Humor eine mächtige Waffe gegen die Angst und auch Zeichen für eine gewisse Widerstandsfähigkeit, um besser mit schlimmen Erfahrungen umzugehen.

Mitten in ihrem Garten im zweiten Wiener Gemeindebezirk stehen die Überreste der Ghettomauer, die im 17. Jahrhundert die ausgesperrten Juden von der Stadt fernhalten sollte. „Der jüdische Humor ist eine ernste Sache“, so Eisenberg in diesem Zusammenhang; Witze über den Holocaust zu machen jedoch eine heikle Angelegenheit, bei der das Lachen oft im Halse stecken bleibt. 1923 haben mehr als 200.000 Juden in Wien gelebt, heute sind es etwa 10.000.“

Doch die jüdische Gemeinde wächst wieder, vor allem durch den Zuzug aus dem Osten. Dass Paul Chaim Eisenberg auch einer jungen jüdischen Generation ans Herz gewachsen ist, zeigt ein Treffen mit den Studentinnen und Studenten der Jüdischen Österreichischen Hochschülerschaft rund um die in Moskau geborene Jenny Mitbreit.

Von Religionsunterricht bis Bar-Mizwa – der heute noch liebevoll „Pauli“ genannte Oberrabbiner wird auch hier hochgeschätzt als einer, der die Menschen nicht nach den Kategorien „religiös“ und „weniger religiös“ bewertet, sondern sie alle als gleichberechtigte Gemeindemitglieder sieht. Denn die Studierenden empfinden sich heute als Teil einer internationalen Familie, die sich nicht in erster Linie über die gemeinsame Religion definiert.

Der Tag mit Paul Chaim Eisenberg endet mit einer abendlichen Präsentation seines neuesten Buchs „Auf das Leben. Witz und Weisheit eines Oberrabbiners“ (Brandstätter Verlag). Eisenberg wird in einer übervollen Buchhandlung im zweiten Bezirk auch vom nichtjüdischen Publikum schon sehnsüchtig erwartet: Und noch einmal wird deutlich, wie sehr das gemeinsame Lachen über alle religiösen Grenzen hinweg ansteckend und verbindend ist.

Ein Film von Thomas Grusch und Elisabeth Krimbacher

Rabbi Yisroel Bernath.
ORF/Chargo Film

„Liebe – aber koscher“

Im kanadischen Montreal lebt der Rabbiner Yisroel Bernath, in chassidischen Kreisen und darüber hinaus auch bekannt als der „Love Rabbi“. Diesen Spitznamen hat Bernath seiner „Berufung“ als Ehevermittler zu verdanken: Junge und nicht mehr ganz so junge jüdische Frauen und Männer wenden sich an ihn mit der Bitte, einen passenden Ehemann, eine passende Partnerin zu finden.

Hebräisch „Shidduch“ nennt sich diese Form der Heiratsvermittlung. Der Rabbi widmet sich der Aufgabe mit viel Engagement – und hat schon eine ganze Reihe von Paaren zusammengebracht. Seine Einblicke in die fremde Welt des strengen chassidischen Judentums und die von Familie und Vermittlern arrangierten Ehen bilden den Rahmen der Dokumentation. Der Rabbi präsentiert sie mit Augenzwinkern und viel Humor.

„Bashert“ – seelenverwandt – sollen Eheleute gemäß jüdischer Lehre sein. Das Ehepaar Miriam Leah und Michael Gamliel erzählt vor der Kamera, wie beide nach nur zwei Dates beschlossen zu heiraten. Und wie es ihnen nun geht, zwei Jahre nach der Hochzeit. Haben sie tatsächlich ihren Seelenverwandten im jeweils anderen gefunden? Und sind sie zufrieden oder sogar glücklich in ihrer Ehe?

Der kanadische Rapper YoNatan hat zum Erstaunen seiner Mutter das konservative Judentum für sich entdeckt. Er sucht noch nach der Partnerin fürs Leben, die ihm Rabbi Bernath mit seiner speziellen Methode vermitteln soll.

Ist es überhaupt möglich, den Partner und die Liebe fürs Leben zu finden? Und was macht die Liebe aus? Dabei kontrastiert die Welt des orthodoxen Judentums mit den Vorstellungen von Liebe und Romantik in der säkularen, westlichen Gesellschaft. „Man muss nicht verliebt sein, wenn man heiratet. Liebe ist ein Gefühl, das sich mit der Zeit entwickelt“, sagt dazu Rabbi Bernath in der Dokumentation.

„Aber in unserer heutigen, schnelllebigen Gesellschaft – haben wir da die Geduld, darauf zu warten, dass die Liebe wächst?“ Eine universell gültige Antwort auf all diese Fragen liefert der Film nicht. Er bietet Denkanregungen und alternative Blickwinkel auf das ewige Thema der Menschheit: die Liebe.

Ein Film von Evan Beloff