„Der Papa wird’s scho richten“

Ein Katholischer Gottesdienst live aus Mils bei Hall in Tirol. Die Gemeinde feierte mit ihrem Pfarrer Franz Angermayer.

„Der Vater im Himmel macht wieder gut, was den Menschen an Fehlern unterläuft.“ bringt Pfarrer Angermayer die Botschaften von Lesung und Evangelium an diesem Sonntag der vorösterlichen Zeit in Zusammenhang mit dem Schlagertext „Der Papa wird’s scho richten, das g’hört zu seinen Pflichten …“ Doch das soll keineswegs zu Fehlern und Trägheit anstiften. Vielmehr ist es die Basis tiefen Vertrauens in Gott, gerade in der derzeitigen Vorbereitung auf Ostern.

Aus Gnade, nicht aufgrund eurer Werke

Lesung: Epheser 2

Gott, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht. Aus Gnade hat er uns gerettet. Er hat uns mit Christus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben. Dadurch, dass er in Christus Jesus gütig an uns handelte, wollte er den kommenden Zeiten den überfließenden Reichtum seiner Gnade zeigen.
Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft. Gott hat es geschenkt, nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann. Seine Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus dazu geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die Gott für uns im Voraus bereitet hat.

Die Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn hergab

Evangelium: Johannes 3

In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodemus: "Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat.

MUSIK

Jeder Tag ist ein Geschenk

Kyrie, kyrie, eleison!

Ein gutes Wort

Leite uns, Herr!

Heilig, heilig, heilig

Siehe, das ist Gottes Lamm!

Jesus, ich bau auf dich

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Vokalensemble Mils
Leitung: Irmgard Strohmenger

2A-Klasse der Volksschule Mils
mit Lehrerin Claudia Pfurtscheller

Orgel: Elias Praxmarer

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat. Mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind."

Heil und Himmel für alle

Predigt

Liebe Kinder, es ist schön, dass ihr da seid. Die Predigt ist heute zwar nicht für euch, aber ihr könntet mir helfen, das, was ich sage, den Erwachsenen verständlicher zu machen. Wenn wir das Wort Gericht hören, dann denken wir vermutlich an einen Menschen, der bei einer strafbaren Handlung erwischt worden ist und deshalb vor Gericht gestellt wird. Dort wird die Schuldfrage geklärt. Und wenn er schuldig ist, wird er zu einer entsprechenden Strafe verurteilt.

Ähnliche Vorstellungen haben wir vermutlich auch, wenn in der Bibel vom Gericht Gottes die Rede ist. Die Bibel meint damit aber etwas ganz anderes. Beim Gericht Gottes in der Bibel geht es weniger um Verurteilung und Strafe, sondern mehr um Wieder-Richten und Richtig-Machen. Das hebräische Wort für Gericht hat mit Zurechtrichten, wieder Einrenken, Ganzmachen, Vollenden zu tun.

Bub: Aber machen wir es uns damit nicht zu einfach?

Pfarrer: Dahinter verbirgt sich die Glaubenserfahrung, dass ein liebender Gott nicht die Bestrafung der schuldig Gewordenen im Auge haben kann, sondern die Versöhnung durch Vergebung.

privates Bild des sympathisch lächelnden Pfarrers
Pfarrgemeinde Mils
Franz Angermayer

Das Gericht Gottes in der Bibel besteht immer aus Gerechtigkeit und Gnade. Leider wurde das in der kirchlichen Verkündigung über das Gericht Gottes oft vergessen. Die Absicht Gottes, Gerechtigkeit herzustellen und Gnade zu schenken, wurde auseinander gerissen. Die Betonung lag oft zu einseitig auf der Gerechtigkeit, und da ist nun einmal die Feststellung von Schuld und ihre Sühne, ihre Wiedergutmachung wichtig. Deshalb wurde auch ständig mit Hölle und Fegefeuer gedroht, weshalb viele Menschen Angst hatten, in Sünde zu sterben und in die Hölle zu kommen. Dabei ist das Ziel des göttlichen Gerichts aber gerade die Gnade, die Vergebung und die Versöhnung. Ergibt sich das nicht auch aus der Erfahrung, dass Gott die Liebe ist? Wenn Gott die Liebe ist, ja dann kann er doch gar nicht anders als dafür zu sorgen, dass alles gut wird, dass alle Menschen miteinander versöhnt sind und in den Himmel kommen.

Bub: Mit einem solchen Gott bin ich nicht einverstanden! Dann ist es ja egal, ob ich gut oder böse lebe. Dann triumphieren am Ende wieder die Bösen und die, die sich bemüht haben sind wieder die Blöden!

Pfarrer: Ich glaube, so dürfen wir das nicht sehen. Der Gerechtigkeit kommt eine ganz zentrale Bedeutung zu. Gott sorgt für Gerechtigkeit! Er schützt und stützt die Schwachen, die zu kurz Gekommenen, er macht sich stark für die Opfer und zieht die Täter zur Rechenschaft.

Aber dabei bleibt es nicht, es geht noch weiter. Nach der Gerechtigkeit kommt die Gnade: Das Angebot Gottes zu Vergebung und Versöhnung. Auch die heutigen Lesungen machen uns darauf aufmerksam. Paulus spricht im Epheserbrief von der großen Liebe Gottes und vom überfließenden Reichtum seiner Gnade, und Jesus spricht im Evangelium davon, dass der Vater ihn in die Welt gesandt hat, nicht um sie zu richten, sondern um sie zu retten. Und zwar alle Menschen, die Opfer und die Täter, die Guten und die Bösen.

Gott sorgt für Gerechtigkeit, und dann wird er uns zu Recht richten, heilen, begnadigen, erlösen. Gottes Plan ist das Heil und der Himmel für alle Menschen. Unser Papa im Himmel wird´s schon richten. Wenn wir darauf vertrauen, können wir mit Zuversicht unseren Weg gehen und vor allem brauchen wir keine Angst vor dem göttlichen Gericht im Tod haben.

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