News 22. 06. 2003

Bartholomaios I. würdigt Friedenseinsatz von Johannes Paul II.

Der Ökumenische Patriarch verweist auf das ökumenische Engagement des Papstes. "Wir können zur vollen Einheit zurückfinden", so Bartholomaios I.

Das Oberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I., hat den Einsatz Papst Johannes Pauls II. für den Frieden und die Ökumene gewürdigt. Bei einer Veranstaltung der türkischen katholischen Bischofskonferenz zum bevorstehenden silbernen Amtsjubiläum des Papstes sagte Bartholomaios I. laut „Kathpress“ von Sonntag vor Diplomaten in Istanbul, das Zeugnis Johannes Pauls II. als Friedensstifter erlaube es der Weltöffentlichkeit, an "die Möglichkeit des Friedens zu glauben". Das Pontifikat Johannes Pauls II. sei durch eine "leidenschaftliche Suche nach dem Frieden" gekennzeichnet, so der Patriarch.

Erfahrungen aus Polen

Diese "leidenschaftliche Suche nach dem Frieden" sei nicht nur eine Konsequenz der tiefen Glaubensüberzeugung des Papstes, sie beruhe auch auf den geschichtlichen Erfahrungen seiner polnischen Heimat, die "solange unter der totalitären Unterdrückung" gelitten habe. Das Wort "Solidarnosc" sei in aller Welt ein Symbolbegriff für die Freunde der Freiheit geworden, erinnerte Bartholomaios I. Aber auch die Worte des Papstes bei seinem Polen-Besuch 1999, als er seine Landsleute daran erinnerte, dass Freiheit in Verantwortung gelebt werden müsse und dass es um den Aufbau einer "Kultur der Nächstenliebe" gehe, seien eine Mahnung an alle Völker gewesen.

Dialog wichtig

Im Kampf um den Frieden und gegen die "Kultur des Todes" sei es notwendig, dass die Christen mit einer Stimme sprechen, betonte der Ökumenische Patriarch. Das Zeugnis der Christen für den Frieden werde dadurch geschwächt, dass sie "ihre Botschaft nicht als eine Gemeinschaft" verkünden können. Daher sei die Fortsetzung des Dialogs zwischen katholischer und orthodoxer Kirche immer eine der Hauptsorgen Johannes Pauls II. Ausdrücklich betonte der Ökumenische Patriarch, er sei wie der Papst überzeugt, dass die beiden Schwesterkirchen, die tausend Jahre in voller Einheit gelebt hätten, auch heute wieder zu voller kirchlicher Gemeinschaft finden können.

Absage an Antijudaismus

Als besonders bedeutsam bezeichnete der Patriarch den Besuch des Papstes im Heiligen Land im Jahr 2000. Johannes Paul II. habe erkannt, dass der christliche Antijudaismus im dritten Jahrtausend keine Fortsetzung finden dürfe. "Mit schmerzerfülltem Herzen und Tränen der Reue hat der Papst mit dem jüdischen Volk in Jerusalem gebetet, dass der Hass ein Ende nehmen möge", sagte Bartholomaios I. Der Papst habe die ganze katholische Kirche für die Sache des Friedens und der Gerechtigkeit in die Pflicht genommen - "und damit auch die Christen aller anderen Traditionen". Zugleich habe Johannes Paul II. bei der Begegnung von Christen, Juden und Muslime in Jerusalem daran erinnert, dass die Bekenner der monotheistischen Religionen die gleichen Überzeugungen von der menschlichen Würde und von der menschlichen Verantwortung hätten.

Absage an religiösen Extremismus

Heute seien die Worte des Papstes noch bedeutsamer, unterstrich Bartholomaios I. Während die "religiösen Extremisten" beider Seiten glauben machen wollten, dass der "Konflikt der Kulturen" unausweichlich und dem göttlichen Willen entsprechend sei, müsse immer wieder daran erinnert werden, dass solche Vorstellungen den Wahrheiten von Christentum, Judentum und Islam zutiefst widersprechen. "Ein Krieg im Namen der Religion ist ein Krieg gegen die Religion", so der Patriarch.

 

 
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