Erste Dialogrunde zwischen Katholiken und Altorientalen abgeschlossen
Die erste Runde des offiziellen theologischen Dialogs zwischen der
katholischen Kirche und den altorientalischen Kirchen hat in Kairo in
"sehr herzlicher Atmosphäre" stattgefunden, geht aus einem von
„Kathpress“ zitierten Kommunique hervor, das jetzt gleichzeitig im
Vatikan und in der ägyptischen Hauptstadt veröffentlicht wurde.
Katholischerseits wurden die Verhandlungen von Kardinal Walter Kasper, dem
Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, geleitet,
auf altorientalischer Seite von Metropolit Amba Bishoy, dem Generalsekretär
des Heiligen Synods der koptisch-orthodoxen Kirche.
Bilanz
Bei der Konferenz in Kairo wurde eine Bilanz der bisherigen inoffiziellen
und bilateralen Kontakte gezogen und ein Arbeitsplan für den weiteren
Verlauf des Dialogs erstellt. Die nächste Dialogrunde soll Ende Jänner
2005 zum Thema "Kirche als Gemeinschaft" stattfinden; Kardinal
Kasper sprach dazu eine Einladung in den Vatikan aus. Dabei soll die Frage
der mit Rom unierten Kirchen zunächst ausgeklammert bleiben, so das
Kommunique. In ihren Eröffnungsansprachen hatten sowohl Kardinal Kasper als
auch Metropolit Amba Bishoy die Bedeutung der Aufnahme des offiziellen
theologischen Dialogs zwischen katholischer Kirche und altorientalischen
Kirchen unterstrichen. Die altorientalische Kirchenfamilie hatte sich nach
dem Konzil von Chalcedon (Kadiköy) im Jahr 451 von der damals noch
ungeteilten Kirche des Römischen Reiches getrennt.
Altorientalen
Zur altorientalischen Kirchenfamilie gehören außer der koptisch-orthodoxen
Kirche auch die äthiopisch-orthodoxe und die eritreisch-orthodoxe Kirche
sowie die syrisch-orthodoxe Kirche, die malankarisch-orthodoxe Kirche und
die armenisch-apostolische Kirche. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche und die
malankarisch-orthodoxe Kirche konnten keine Vertreter nach Kairo entsenden;
dem malankarisch-orthodoxen Repräsentanten hatte die ägyptische Regierung
das Visum verweigert.
Österreich-Aspekt
Die Begegnung in Kairo hatte auch einen starken Österreich-Aspekt. Auf
altorientalischer Seite nahm der Wiener armenisch-apostolische Erzbischof
Mesrob Krikorian teil, einer der führenden Theologen seiner Kirche. Der
Grazer Theologe Dietmar Winkler, derzeit Gastprofessor für Ostkirchenkunde
an der Universität Boston, berichtete über die bisherigen inoffiziellen
Konsultationen zwischen der katholischen Kirche und den altorientalischen
Kirchen unter besonderer Berücksichtigung der Initiativen der Wiener
Stiftung "Pro Oriente". Die Stiftung hat bei der schrittweisen
Wiederannäherung Pionierarbeit geleistet. Bei den inoffiziellen Dialogen
katholischer und altorientalischer Theologen in Wien-Lainz ab 1971 wurden
wesentliche Voraussetzungen für den jetzt aufgenommenen offiziellen
theologischen Dialog geschaffen. Durch die "Wiener christologische
Formel" wurde deutlich, dass die beiden Kirchenfamilien im Grunde
dasselbe meinen, wenn sie von Christus als "wahrem Gott und wahrem
Menschen" sprechen.
Große Hoffnungen
Im Vatikan werden auf den Dialog mit den Altorientalen große Hoffnungen
gesetzt. Einerseits gelten die theologischen Kontroversen, die im 5.
Jahrhundert zur Trennung geführt hatten, heute als überwunden; die
politischen Divergenzen, die damals eine Verschärfung der theologischen
Auffassungsunterschiede bewirkten, sind heute praktisch vergessen.
Andererseits bestehen zwischen den altorientalischen Kirchen und den
entsprechenden unierten Kirchen freundschaftliche Beziehungen, vor allem in
den islamisch dominierten Ländern. Katholiken und Altorientalen haben in
diesen Ländern eine intensive praktische Zusammenarbeit entwickelt. Eine Klärung
der theologischen Beweggründe dieser praktischen Zusammenarbeit könne den
Weg zur Wiederherstellung der vollen kirchlichen Einheit zwischen Katholiken
und Altorientalen ebnen, meinen Experten.
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