News 05. 02. 2004

Erste Dialogrunde zwischen Katholiken und Altorientalen abgeschlossen

Die erste Runde des offiziellen theologischen Dialogs zwischen der katholischen Kirche und den altorientalischen Kirchen hat in Kairo in "sehr herzlicher Atmosphäre" stattgefunden, geht aus einem von „Kathpress“ zitierten Kommunique hervor, das jetzt gleichzeitig im Vatikan und in der ägyptischen Hauptstadt veröffentlicht wurde.

Katholischerseits wurden die Verhandlungen von Kardinal Walter Kasper, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, geleitet, auf altorientalischer Seite von Metropolit Amba Bishoy, dem Generalsekretär des Heiligen Synods der koptisch-orthodoxen Kirche.

Bilanz

Bei der Konferenz in Kairo wurde eine Bilanz der bisherigen inoffiziellen und bilateralen Kontakte gezogen und ein Arbeitsplan für den weiteren Verlauf des Dialogs erstellt. Die nächste Dialogrunde soll Ende Jänner 2005 zum Thema "Kirche als Gemeinschaft" stattfinden; Kardinal Kasper sprach dazu eine Einladung in den Vatikan aus. Dabei soll die Frage der mit Rom unierten Kirchen zunächst ausgeklammert bleiben, so das Kommunique. In ihren Eröffnungsansprachen hatten sowohl Kardinal Kasper als auch Metropolit Amba Bishoy die Bedeutung der Aufnahme des offiziellen theologischen Dialogs zwischen katholischer Kirche und altorientalischen Kirchen unterstrichen. Die altorientalische Kirchenfamilie hatte sich nach dem Konzil von Chalcedon (Kadiköy) im Jahr 451 von der damals noch ungeteilten Kirche des Römischen Reiches getrennt.

Altorientalen

Zur altorientalischen Kirchenfamilie gehören außer der koptisch-orthodoxen Kirche auch die äthiopisch-orthodoxe und die eritreisch-orthodoxe Kirche sowie die syrisch-orthodoxe Kirche, die malankarisch-orthodoxe Kirche und die armenisch-apostolische Kirche. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche und die malankarisch-orthodoxe Kirche konnten keine Vertreter nach Kairo entsenden; dem malankarisch-orthodoxen Repräsentanten hatte die ägyptische Regierung das Visum verweigert.

Österreich-Aspekt

Die Begegnung in Kairo hatte auch einen starken Österreich-Aspekt. Auf altorientalischer Seite nahm der Wiener armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian teil, einer der führenden Theologen seiner Kirche. Der Grazer Theologe Dietmar Winkler, derzeit Gastprofessor für Ostkirchenkunde an der Universität Boston, berichtete über die bisherigen inoffiziellen Konsultationen zwischen der katholischen Kirche und den altorientalischen Kirchen unter besonderer Berücksichtigung der Initiativen der Wiener Stiftung "Pro Oriente". Die Stiftung hat bei der schrittweisen Wiederannäherung Pionierarbeit geleistet. Bei den inoffiziellen Dialogen katholischer und altorientalischer Theologen in Wien-Lainz ab 1971 wurden wesentliche Voraussetzungen für den jetzt aufgenommenen offiziellen theologischen Dialog geschaffen. Durch die "Wiener christologische Formel" wurde deutlich, dass die beiden Kirchenfamilien im Grunde dasselbe meinen, wenn sie von Christus als "wahrem Gott und wahrem Menschen" sprechen.

Große Hoffnungen

Im Vatikan werden auf den Dialog mit den Altorientalen große Hoffnungen gesetzt. Einerseits gelten die theologischen Kontroversen, die im 5. Jahrhundert zur Trennung geführt hatten, heute als überwunden; die politischen Divergenzen, die damals eine Verschärfung der theologischen Auffassungsunterschiede bewirkten, sind heute praktisch vergessen. Andererseits bestehen zwischen den altorientalischen Kirchen und den entsprechenden unierten Kirchen freundschaftliche Beziehungen, vor allem in den islamisch dominierten Ländern. Katholiken und Altorientalen haben in diesen Ländern eine intensive praktische Zusammenarbeit entwickelt. Eine Klärung der theologischen Beweggründe dieser praktischen Zusammenarbeit könne den Weg zur Wiederherstellung der vollen kirchlichen Einheit zwischen Katholiken und Altorientalen ebnen, meinen Experten.

 

 

 

 

 

 
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