News 11. 11. 2004

Islamforscher warnt vor Ausschreitungen auch in Deutschland

"Wenn nicht mehr Anstrengungen zur Integration von Ausländern unternommen werden, drohen Deutschland bürgerkriegsähnliche Verhältnisse wie in Holland", sagte Tibi dem "Münchner Merkur".

Angesichts der wachsenden Spannungen in den Niederlanden hat der Islamforscher Bassam Tibi vor ähnlichen Verhältnissen in Deutschland gewarnt. Der Bundesregierung bescheinigte der Göttinger Professor massive Versäumnisse: "Die Politik redet über Integration, handelt aber nicht. Da darf man sich nicht wundern, wenn irgendwann die Bombe explodiert."

Junge nicht integriert

Tibi zeigte sich überzeugt, in den nächsten zehn Jahren sei zu befürchten, "dass wir in unseren Großstädten mit Straßenkämpfen konfrontiert werden". Es werde "massive Auseinandersetzung geben mit der dritten Generation der hier lebenden Ausländer". "Diese jungen Menschen - besonders Türken - sind nicht integriert." Bei einer Rückkehr in die Heimat ihrer Eltern würden sie dort wie Ausländer behandelt. Doch auch in Deutschland würden sie "nicht akzeptiert". "In den Niederlanden haben 40 Prozent der ausländischen Jugendlichen keinen Schulabschluss und damit keine Zukunft. Das ist in Berlin nicht anders", mahnte der Islamforscher.

Schweigende Mehrheit

Zugleich forderte Tibi, nach dem Mord an dem niederländischen Regisseur Theo van Gogh müssten auch die Muslime in Deutschland "ein Zeichen setzen". "Ich hatte gehofft, dass das schon nach dem 11. März passiert. Die Terroranschläge in Madrid waren Europas 11. September." Allerdings hätten sich "viele Muslime, die Islamisten sind", dadurch eher noch bestärkt gefühlt. "Leider verhält sich die schweigende Mehrheit der Muslime apathisch."

 

 

 

 
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