News 07. 04. 2005

Evangelischer Bischof Huber gegen Papst als "Sprecher der Weltchristenheit"

Ein künftiger Papst kann nach Ansicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, nicht "Sprecher der gesamten Weltchristenheit" werden.

Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa wandte sich Bischof Huber am Donnerstag gegen eine solche ökumenische Vision, die seit längerem in Kirchenkreisen kontrovers diskutiert wird. "Natürlich konkretisiert sich eine kirchliche Gemeinschaft auch in bestimmten Personen, die dann auch medial wahrgenommen werden", sagte Huber. "Aber warum die Gemeinschaft der Weltchristenheit mit ihren unterschiedlichen christlichen Traditionen sich in einem Sprecher konkretisieren soll, das hat man mir noch nicht plausibel gemacht. Ich möchte mir auch nicht den Konflikt ausmalen, in den ein Papst käme, der einerseits das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ist und zugleich der Sprecher der Weltchristenheit sein soll", betonte Huber, der am Freitag in Rom zu den Trauergästen bei der Beisetzung von Papst Johannes Paul II. gehört. "Im übrigen ist der in manchen Medien lancierte Begriff eines "Sprechers" der Weltchristenheit keine besonders geistliche und kirchliche Kategorie."

Papst-Tod war ein ökumenisches Ereignis

Der EKD-Ratsvorsitzende bezeichnete den Tod des Papstes als ökumenisches Ereignis. Die Reaktionen zeigten, dass Johannes Paul II. viele Menschen bewegt und beeindruckt habe als ein wichtiger Glaubenszeuge über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus. "Deswegen ist es mir wichtig, auch ein Stück des Dankes und Respekts zu zeigen - bei bleibenden Differenzen, die es zwischen unseren Kirchen gibt." Huber würdigte die ökumenische Grundhaltung des Papstes, auch wenn dieser die Gestalt der katholischen Kirche als Papstkirche sehr deutlich gemacht habe. Daraus könne man lernen, dass Ökumene und Unterschiedlichkeit der Kirchen sich nicht ausschließen. Es müsse erkennbar werden, dass das gemeinsame Bekenntnis, das die Kirche verbinde, "wichtiger ist als das, was uns trennt". Dies habe übrigens auch Johannes Paul II. so gesehen.

Gegenseitige Anerkennung des kirchlichen Amtes

Für die Zukunft hofft Huber, dass die Pluralität der Kirchen in zweifacher Hinsicht positiver bewertet wird als bisher: Angezeigt sei dies innerhalb der katholischen Kirche selbst, die keine uniforme Kirche sei, sondern unterschiedliche Farben und Traditionen habe. Und die Anerkennung von Pluralität sei ebenso notwendig hinsichtlich der Gemeinschaft der Kirchen. Dies setze aber voraus, dass es Fortschritte in der theologisch strittigen Ämterfrage gebe. "Die gegenseitige Anerkennung des kirchlichen Amtes muss auch dann für möglich gehalten werden, wenn das Verständnis des Amtes unterschiedlich ist."

Abendmahl: "Nicht alles nur vom Papst erwarten"

Der EKD-Ratsvorsitzende hofft auch auf Fortschritte in der Frage des gemeinsamen Abendmahls. Bisher lehnt Rom dies ab, während die Protestanten die Katholiken dazu einladen. Dabei respektiere man ausdrücklich die Gewissensbindung der Katholiken an die Ordnung ihrer Kirche - "aber verschweigen können wir diese Einladung nicht", sagte Huber. "Ich setze Hoffnungen hierbei auch auf den neuen Papst, aber als evangelischer Christ möchte ich die katholischen Schwestern und Brüder dazu ermutigen, nicht alles nur vom Papst zu erwarten." Manchmal würden die Erwartungen so sehr auf eine Person konzentriert, "dass man gar nicht mehr fragt, was man selbst tun kann". Das Miteinander der Kirchen entscheide sich vor allem vor Ort, in den Gemeinden, im gemeinsamen Leben. "Und das wird auch ein wichtiges Element dafür sein, dass die Bischöfe und der künftige Papst sehen, wie dringlich eine Klärung der Frage eines gemeinsamen Abendmahls ist."

 

 

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Hintergrund:

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