News 14. 07. 2005

Mit Gott würfeln – die Grenzen der Naturwissenschaft

„Was löst den Zerfall des Atoms gerade jetzt aus?“ Darauf verweigert die Quantenmechanik jede Antwort, sagte der Mathematiker Rudolf Taschner von der Technischen Universität Wien.

Und doch passiere es immer wieder. Es gebe einfach nichts, was den Zerfall auslöse. Es sei purer Zufall, dass es gerade jetzt geschehe. So Taschner am Mittwoch bei der Ökumenischen Sommerakademie in Kremsmünster.

Zufall in der Wissenschaft

Der Zufall sei in der Wissenschaft allgegenwärtig. Taschner verwies etwa auf die berühmte Unschärferelation Werner Heisenbergs. Sie mache die Vorstellung eines punktförmigen Atoms, dessen Ort und Geschwindigkeit zu einer bestimmten Zeit jedenfalls im Prinzip beliebig genau registriert werden können, zunichte.

Gott würfelt nicht

Der Begriff „Zufall“ sei laut Taschner aus einer nüchternen Betrachtung des Glücksspiels entstanden. Einstein habe ganz recht: „Gott würfelt sicher nicht.“ Taschner: „In seiner Allwissenheit wäre Gott ja der unfairste aller denkbaren Spieler“. Doch den Zufall als gottgegebenes Phänomen gibt es laut Taschner nicht.

Jenseits der Wissenschaft

Am Rand des Universums finde man weder den Ereignishorizont noch den Urknall, am Rand des Universums tauche das menschliche Erkennungsvermögen auf, das dieses Universum zu begreifen versuche und jenseits der Welt der Wissenschaft lebe.

„Blinder Zufall“

Diesseits, so Taschner, in der naturwissenschaftlichen Welt, habe die mathematische Analyse der Gegebenheiten den Begriff des blinden Zufalls eingeführt. Jenseits, außerhalb der von den Naturwissenschaften abgesteckten Grenzen, sei es unangemessen von Zufall zu sprechen „wenn etwa ein tragisches Schicksal den besten Freund ereilen sollte“, so Taschner.

„Schicksal“ unwissenschaftlich

Es sei „lächerlich und sinnlos“ über den Zufall zu klagen. Taschner: „Wir können mit Gott nicht rechnen, weil wir mit ihm nicht rechnen können.“ Das Schicksal sei ein durch und durch unwissenschaftlicher Begriff. Schicksal, so Taschner, sei jenseits der Welt der Wissenschaft angesiedelt. „Dieses Schicksal gibt uns den Raum, mit Gott zu hadern oder ihn zu preisen“, schloss der Mathematiker Taschner.

 

 
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