News 12. 03. 2007 |
Vatikan verurteilt Befreiungstheologen Jon SobrinoErstmals seit dem Beginn des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. wird die römische Glaubenskongregation eine Lehrverurteilung eines Theologen vornehmen. Dem in Lateinamerika wirkenden baskischen Befreiungstheologen und Jesuitenpater Jon Sobrino (68) wirft der Heilige Stuhl vor, durch seine Thesen zur "Verwirrung der Gläubigen" beizutragen.Eine "erklärende Note" der Glaubenskongregation spricht nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Montag-Ausgabe) von einer "großen Gefährlichkeit" von Sobrinos Thesen. Im Kern werfe die Kirche dem Theologen vor, zu sehr die Solidarität mit den Armen und zu wenig die Erlösung durch Christus zu betonen. Die Führung der Jesuiten bestätigte, dass Jon Sobrino eine entsprechende Note in den kommenden Tagen erhalten soll, wollte sich aber nicht näher zu dem Fall äußern. Anderen kirchlichen Quellen zufolge soll dem Jesuiten untersagt werden, zu unterrichten, Vorträge zu halten und Bücher zu veröffentlichen. "Große Gefährlichkeit"Die "erklärende Note", die der Verurteilung Sobrinos vorausgeht und die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt, betont, dass "die Option für die Armen und Unterdrückten" von "der gesamten Kirche geteilt" werde. Andererseits stellt der Text klar, dass der Fall des Paters Sobrino einer dringenden Untersuchung bedurft hätte, wegen der "großen Gefährlichkeit" seiner Thesen und der möglichen "Verwirrung der Gläubigen". Die Glaubenskongregation wirft dem Theologen vor, er rede - vor allem in seinem Buch "Jesus, der Befreier" - nicht klar genug von der Göttlichkeit Jesu, sondern beschreibe sie als Produkt späterer theologischer Reflexionen; er vermenschliche zu sehr den Gottessohn. "Christologie der Befreiung"Jon Sobrino wurde am 27. Dezember 1938 in Bilbao im spanischen Baskenland geboren. Schon als 18-Jähriger trat er dem Jesuitenorden bei. 1957 ging er nach El Salvador, später studierte er in St. Louis in den USA Ingenieurwissenschaft. Zeitweise studierte er auch Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgien in Frankfurt/Main. Die Armut der Massen in Lateinamerika, die Folgen der Globalisierung und die Antwort der Kirche auf diese Fragen - das sind seit rund 50 Jahren das Hauptthema des Jesuiten. Heute urteilt er: "Die Befreiungstheologie hat die Realität dieser Welt so direkt berührt wie keine andere Theologie unserer Zeit." Als sein Hauptwerk gilt das Buch "Christologie der Befreiung." "Die gekreuzigten Völker""An Gott zu glauben bedeutet, sich mit den Unterdrückten zu solidarisieren", sagte Sobrino einmal. "Die Befreiungstheologie findet sich nicht in Büchern. Sie ist eine theoretische und praktische Haltung im Angesicht der Unterdrückung." Anliegen der Befreiungstheologie ist es laut Sobrino "die gekreuzigten Völker" vom Kreuz abzunehmen. Sobrino war Berater von Erzbischof RomeroDie blutige Realität in seinem Gastland El Salvador lernte Sobrino mehrfach ganz direkt kennen. Unter anderem war er persönlicher Berater des sozialkritischen Erzbischofs von San Salvador, Oscar Arnulfo Romero, der 1980 von einem Todesschwadron in der Kirche am Altar erschossen wurde. Sobrino selbst entkam 1989 nur mit Glück dem Tod, als ein Kommando der salvadorianischen Armee eine Jesuitengemeinschaft überfiel und mehrere Menschen tötet. Sobrino lehrt an der katholischen Zentralamerikanischen Universität in San Salvador, die er mitbegründet hat. Unter anderem erhielt er 1992 den Menschenrechtspreis der Universität Graz.
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