News 16. 03. 2007

Sobrino will Kritik aus dem Vatikan nicht kommentieren 

Der Befreiungstheologe P. Jon Sobrino SJ will die "Notifikation" der vatikanischen Glaubenskongregation nicht kommentieren. Das berichteten am Freitag salvadorianische Medien.

Auch der Erzbischof von San Salvador, Fernando Saenz Lacalle, und der Rektor der Zentralamerikanischen Universität, an der Sobrino lehrt, wollen sich nicht äußern, sondern den Text aus Rom zunächst in Ruhe studieren. Erzbischof Saenz Lacalle ließ allerdings wissen, er bete für Sobrino, damit der Jesuit die kirchliche Lehre "zur Gänze" akzeptiere.

Jesuit: Kein Lehrverbot

Kritik an der vatikanischen Vorgangsweise übte der mit P. Sobrino in engem Kontakt stehende Müncher Jesuit P. Martin Maier ("Stimmen der Zeit"). Sobrino habe während des fünfjährigen Prüfverfahrens kein einziges Mal in direkten Dialog mit denen treten können, die ihm schwere Irrtümer vorwarfen, sagte P. Maier am Donnerstagabend in einem "Radio Vatikan"-Interview. P. Maier, derzeit Gastdozent an der Jesuitenuniversität UCA in San Salvador, unterstrich in dem Radiobeitrag, gegen Sobrino bestehe keinerlei Lehr- oder Publikationsverbot. Der Jesuit werde weiter publizieren und Lehraufträge an der UCA wahrnehmen. Er sei zu einer wissenschaftlichen Diskussion bereit, wolle sich aber augenblicklich nicht zu der Sache äußern.

Laienbewegungen unterstützen Sobrino

Vertreter katholischer Laien-Initiativen in El Salvador haben sich mit P. Jon Sobrino SJ solidarisch erklärt. "Wir danken dem Jesuiten für seine theologischen Reflexionen; wir erkennen seine Identifizierung mit dem Zeugnis der Märtyrer an und erklären uns in diesem schwierigen Moment solidarisch mit ihm", erklärte der Leiter des Radiosenders YSUCA, Carlos Ayala Ramirez, bei einer Pressekonferenz. Die Aktivisten bezeichneten die "Maßregelung" des Jesuiten durch die Glaubenskongregation als "ungerecht". Auch wenn die Verurteilung der Thesen des Befreiungstheologen keine Sanktionen oder Verbote beinhalte, könnte sie "Diffamierungen" nach sich ziehen, befürchtet Ayala.

Grazer Theologen: "Pater Sobrino ist ein leuchtendes Vorbild"

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Graz hat sich am Freitag im Rahmen ihres Absolvententages hinter den in Lateinamerika wirkenden Befreiungstheologen und baskischen Jesuitenpater Jon Sobrino gestellt. In einer Aussendung der Katholisch-Theologischen Fakultät hieß es, die Notifikation der Glaubenskongregation weise selbst darauf hin, dass die "Sorge des Autors (Sobrino, Anm.) für die Situation der Armen Bewunderung verdient." Man teile diese Bewunderung: "Pater Sobrino ist ein leuchtendes Vorbild für eine Theologie, die tut, was sie glaubt und bereit ist, dafür Gefahren auf sich zunehmen", hieß es. Als Kämpfer für die Menschenrechte der Armen formuliere Sobrino das praktische Programm einer Nachfolge Jesu Christi heute. Man betrachte Sobrinos Theorie und Praxis der Jesusnachfolge "integral" und sehe in Sobrinos theologischer Existenz in ihrer Gesamtheit "einen glaubhaften Beitrag zum Auftrag der Kirche, den Glauben an Jesus als unseren Christus heute zu verkünden." Die Uni Graz hatte Sobrino am 13. März 1992 auf Initiative der Fakultät den Menschenrechtspreis verliehen, Sobrino hatte auch Gastvorlesungen in der steirischen Landeshauptstadt gehalten.

 

 

TV-Tipp:

- Orientierung, 18.03.2007: "Maßregelung für Befreiungstheologen Jon Sobrino" + "Ein Theologe an der Seite der Armen"

 

Weitere News zum Thema:

- 15. 03. 2007: Befreiungstheologe Sobrino vom Vatikan gemaßregelt

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- 12. 03. 2007: Vatikan verurteilt Befreiungstheologen Jon Sobrino

 

 

 

 
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