News 15. 06. 2010

Neue Forschungsplattform über Religion und Gesellschaft

Welche Rolle spielt Religion in den gegenwärtigen gesellschaftlichen Transformationsprozessen? - So lautet die Leitfrage einer neuen interdisziplinären Forschungsplattform an der Universität Wien. Die Plattform mit dem Namen "Religion and Transformation in Contemporary European Society" versteht sich als fakultätsübergreifende Gemeinschaft von insgesamt 18 Forschern, die aus den Feldern der katholischen und evangelischen Theologie, Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaften, Kulturwissenschaften, Philosophie und Bildungswissenschaften stammen.

Geleitet wird die neue Plattform vom Wiener Fundamentaltheologen Kurt Appel. Die Plattform wolle den oftmals sehr fachspezifischen Blick der einzelnen Forschungsrichtungen bündeln, betonte Appel laut "Kathpress" in einer Stellungnahme. "Manche Sozialwissenschaftler versuchen, Gesellschaft und sozialen Wandel zu verstehen, ohne sich mit Religion zu beschäftigen", auf der anderen Seite betreiben laut Appel "viele Theologen ihre jeweiligen Forschungen völlig unberührt von gesellschaftlichen Vorgängen und Veränderungen". Diesem Defizit wolle die europaweit einzigartige Forschungsplattform entgegentreten.

Fünf Scherpunkte

Inhaltlich ist die Plattform in fünf Themenbereiche aufgeteilt. So stellt ein Bereich Fragen wie: Was ist eigentlich Religion? Was bedeutet Gott im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft?. Der zweite Bereich hat "Religion in Inklusions- und Exklusionsprozessen" zum Inhalt, "hier werden unter anderem Punkte wie Migration und Grenzüberschreitung zentrale Aspekte sein", so Appel. Zwei weitere Forschungsfelder sind zum einen die Hermeneutik religiöser Texte - "Wie werden diese Texte und ihr 'säkularisiertes Erbe' von verschiedenen sozialen Gruppen gelesen und verstanden?" - und zum anderen der Einfluss von Religion auf sich verändernde gesellschaftliche Wertesysteme. Der fünfte Bereich behandelt rechtliche Aspekte religiöser Transformationsprozesse.

Forschungsprojekte, Seminare und Vorträge

Angesetzt ist die Forschungsplattform auf drei Jahre. Innerhalb dieser Zeit sind einzelne Teilforschungsprojekte geplant, ebenso regelmäßige Workshops und Diskussionsveranstaltungen sowie ein abschließendes Symposion. Im Wintersemester 2010/11 ist außerdem eine Ringvorlesung geplant, im darauffolgenden Sommersemester ein eigenes Dissertantenseminar. Auch gibt es die Möglichkeit, Diplomarbeiten und Dissertationen in diesem Bereich anzufertigen. Langfristig ist die Einrichtung eines "Initiativkollegs" geplant. Einen ersten inhaltlichen Akzent will die Forschungsplattform durch einen Gastvortrag des US-amerikanisches Arabistik-Experten Georges Tamer setzen. Tamer wird am 24. Juni an der Evangelisch-Theologischen Fakultät auf Einladung der Forschungsplattform zum Thema "Islam und Zivilgesellschaft" referieren.

 

 

Link:

- "Religion and Transformation in Contemporary European Society"

 

 

 

 

 

 

 
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