Glaubenskongregation berät ab Dienstag über Lefebvrianer
Die Glaubenskongregation steht vor einer historischen Entscheidung. Denn die seit 1988 im Schisma zu Rom stehenden lefebvrianischen Piusbrüder haben dem Vatikan ihre Antwort auf die von der Levada-Kongregation formulierten Bedingungen für eine Versöhnung zugeleitet.
Die Vatikanische Glaubenskongregation beginnt am Dienstag ihre Vollversammung im Vatikan. Das Plenum wird vom Präfekten der Kongregation, Kardinal William Levada, geleitet. Der Glaubenskongregation gehören mit Kurt Koch und Walter Kasper als Ökumene-Experten sowie dem Wiener Erzbischof Christoph Schönborn auch drei deutschsprachige Kardinäle an. Auch der 64-jährige Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller ist Mitglied und gilt als einer der drei Favoriten für die für April vorgesehen Ernennung eines Levada-Nachfolgers.
Lehrdifferenzen ausgelotet
Zwischen Oktober 2009 und April 2011 hatten jeweils vier Experten der Vatikan-Kommission "Ecclesia Dei" und der lefebvrianischen Piusbrüder bei acht Sitzungen bestehende Lehrdifferenzen ausgelotet und Möglichkeiten einer Einigung erörtert. Im Mittelpunkt standen unterschiedliche Positionen über das Zweite Vatikanische Konzil und seine Aussagen zur Ökumene, zur Religionsfreiheit und zum interreligiösen Dialog.
Lehrmäßige Präambel
Zum Abschluss überreichte Kardinal Levada im vergangenen September dem Oberen der Piusbrüder, Bernard Fellay, eine "Lehrmäßige Präambel". Sie beinhaltet laut Kommunique "einige Prinzipien und Interpretationskriterien der katholischen Lehre, die notwendig sind, um die Treue zum Lehramt der Kirche zu garantieren". Bisher ist weder die Präambel öffentlich geworden, noch der Inhalt des Briefes der Piusbrüder. Offenbar wünschen die Lefebvrianer textliche Änderungen, heißt es in gut unterrichteten Kreisen. Neue Verhandlungen über den Inhalt der Erklärung hatte der Vatikan allerdings kategorisch ausgeschlossen.
Neue Verhandlungen oder endgültiger Bruch?
Entscheidend ist nun die Frage, ob die von den Piusbrüdern geforderten Nachbesserungen als Änderungen in der Sache oder bloß als Umformulierungen gewertet werden. Im ersten Fall würde die römische Antwort wohl den endgültigen Bruch bedeuten. Sollte jedoch eine Mehrheit in der Glaubenskongregation bereit sein, sie als zulässige Nachjustierungen gelten zu lassen, würde dies eine neue Verhandlungsrunde einläuten. Der Mittelweg wäre, die gegenwärtige Situation zunächst einzufrieren. Die Glaubenskongregation würde einen fortbestehenden Dissens in wesentlichen Punkten feststellen und deshalb eine weitere Integration der Bruderschaft in die Kirche zunächst für unmöglich erklären. Damit würden beide Seiten ihr Gesicht wahren.
(Quelle: KAP)
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