News 20. 01. 2012

Kardinal Kasper: Ökumene braucht neue Ideen

Der ökumenische Dialog zwischen den christlichen Kirchen benötigt nach Ansicht von Kardinal Walter Kasper neue Impulse und neue Ideen.

Derzeit sei noch nicht entschieden, ob nach dem "unwiederbringlichen Ende" des konfessionellen Zeitalters jetzt ein ökumenisches Zeitalter beginnen könne, sagte Kasper am Donnerstagabend in der Universität Tübingen. Er sprach von einer zwiespältigen Situation: In der Ökumene wechsele "viel Licht" mit "viel Schatten". Wichtig sei nun vor allem, bereits erreichte Gemeinsamkeiten zwischen den christlichen Kirchen und Konfessionen wachzuhalten und zu pflegen, so der frühere Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen. Zudem müssten Impulse von der "geistlichen Ökumene" ausgehen, die heute in zahlreichen Gemeinschaften und Gruppen Menschen unterschiedlicher Konfessionen zum Gebet zusammenbringe: "Natürlich braucht die Ökumene auch in Zukunft das theologische Fachgespräch, aber sie darf keine reine Angelegenheit von Spezialisten und Experten sein, die sich vom Leben der Kirche entfremdet."

„Neue Unübersichtlichkeit“

Kasper zog ein positives Fazit seiner elfjährigen Amtszeit als Präsident des Päpstlichen Einheitsrats. Zwar sei es nicht gelungen, Einheit und volle kirchliche Gemeinschaft herzustellen, gewachsen sei aber ein "Netz von menschlichen und christlichen Beziehungen", das weitere Fortschritte zur Kircheneinheit ermöglichen könne. Zugleich beschrieb Kasper eine wachsende "neue Unübersichtlichkeit der konfessionellen Situation". Als wichtigen nächsten Dialogschritt zwischen katholischer und evangelischer Kirche sprach sich Kasper für Gespräche über Gemeinsamkeiten und Trennendes beim Kirchenverständnis aus. Mit Blick auf das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation 2017 sprach der Kardinal von intensiven protestantisch-katholischen Vorbereitungen für eine "gemeinsame Erklärung" und eine gemeinsame "gottesdienstliche Feier".

(KAP)