News 23. 01. 2012

Salzburgs Seelsorgeamtsleiter gegen deutsches Großpfarrenkonzept

Gegen die Übertragung von in Deutschland realisierten radikalen Großpfarren-Konzepten auf Österreich hat sich der Leiter des Seelsorgeamts der Erzdiözese Salzburg, Prälat Balthasar Sieberer, bei einer Diskussion in Rom ausgesprochen.

Sieberer reagierte auf einen Berichts des Leiters der deutschsprachigen Abteilung im päpstlichen Neuevangelisierungsrat, Nicolaus Buhlmann, der über die von Bischof Felix Genn zwischen 2003 und 2008 in der Diözese Essen durchgeführte Reform berichtet hatte.

Extrembeispiel Diözese Essen

Buhlmann sagte bei einer Veranstaltung mit Pfarrgemeinderäten aus Österreich am Mittwoch im römischen Päpstlichen Institut Santa Maria dell'Anima, die Diözese Essen sei sicher ein Extrembeispiel. Es sei aber besser als halbherzige Reformen. "Denn in Essen muss sicher nichts mehr zusammengelegt werden, da kann man sogar vielleicht einmal wieder ausgliedern." Das "Erstaunliche" sei dabei, dass die Essener Katholiken "im Großen und Ganzen einverstanden" seien. Buhlmann ist Augustinerchorherr von Stift Klosterneuburg und war u.a. Pfarrer in Wien-Floridsdorf.

Priester-Teams

Essens früherer Bischof Felix Genn hatte als Reaktion auf sinkende Katholikenzahlen und Kirchensteuereinnahmen in der Region 259 Gemeinden zu 43 Großverbänden zusammengeschlossen. Die Diözese gab zudem 96 ihrer 368 Gotteshäuser auf. Die Priester gruppierte der Bischof in Teams.

Sieberer: "Pfarrgemeinden nicht an die Wand fahren"

Sieberer sagte, er kenne Bischof Genn gut. Aber ein harter Schnitt wie dort sei etwa auf Salzburg "nicht übertragbar, das brauchen wir gar nicht andenken". Modelle, die eine Neuevangelisierung durch Neue Bewegungen empfehlen, gleichzeitig aber in Kauf nehmen, "Pfarrgemeinden an die Wand zu fahren", seien für eine Diözese wie Salzburg "nicht denkbar". Die Pfarrgemeinden seien in seiner Diözese "viel zu stark", so Sieberer.

Wachsen als Ziel

Der Seelsorgeamts-Leiter gab Buhlmann insofern Recht, dass eine Ortskirche immer das Ziel haben müsse, zu wachsen. Der Erfurter Bischof habe diesbezüglich formuliert, dass "eine Pfarre zwar immer wachsen wollen muss, aber es sein kann, dass das nicht immer geht".

Evangelisierungsgruppen?

Sieberer äußerte weiters Bedenken, dass im Neuevangelisierungsrat hauptsächlich mit Orden und Neuen Bewegungen geplant werde, dass aber die Diözesanpriester und ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Pfarren in die Planungen nicht einbezogen würden. Er verwies auf die erfolgreiche Salzburger Initiative "Offener Himmel". Dabei habe es Begegnungen und Aktionswochen jeweils in einem Dekanat gegeben. Es sei aber nicht notwendig und auch nicht erwünscht gewesen, "mit Evangelisierungsgruppen mitzumarschieren".

"Keine Zauberformel" für Neuevangelisierung

Buhlmann räumte ein, dass der Päpstliche Neuevangelisierungsrat selbst erst in der Phase eines Zusammentragens der Erfahrungen aus der Weltkirche sei und "keine Zauberformel" anbieten könne. In vielen Ländern, nicht jedoch in den deutschsprachigen, seien für die Arbeit der Katechetisierung und Neuevangelisierung der "Weltkatechismus" (Katechismus der Katholischen Kirche/KKK) und der Jugendkatechismus (YouCat) "gut angekommen". Der "YouCat" mit einer Auflage von mittlerweile ca. zwei Millionen Stück sei "ein Riesenerfolg".

 

(Quelle: KAP)

Mehr Dazu
11.05.2011

Kardinal Schönborn legt "Masterplan" für Erzdiözese Wien vor

Die Erzdiözese Wien setzt ihren mit dem diözesanen Prozess "Apostelgeschichte 2010" begonnenen Weg der Erneuerung fort.

>>mehr

 

16.01.2012

Erzdiözese Wien reagiert mit
Apostel 2.1 auf „Zeitwende“

Die Erzdiözese Wien will unter dem Titel "Apostel 2.1" mit Strukturreformen auf eine veränderte Gesellschaft reagieren.

>>mehr