Millionen-Stadt Kano im Norden Nigerias kommt nicht zur Ruhe
Nach der verheerenden Anschlagswelle in der Millionenstadt Kano im Norden Nigerias ist auch am Dienstag keine Ruhe eingekehrt.
Augenzeugen berichteten, dass bei Razzien der Sicherheitskräfte in Kano in der Nacht auf Dienstag mindestens zwei Verdächtige getötet wurden. In der mehrheitlich muslimischen Stadt mit 4,5 Millionen Einwohnern waren Explosionen und Schüsse zu hören. Bei den Razzien stellten die Sicherheitskräfte zehn mit Sprengstoff präparierte Autos und mehrere hundert Sprengsätze sicher.
253 Tote seit Jahresbeginn
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erklärte, bei der durch die radikal-islamistische Boko-Haram-Sekte entfachten Gewaltwelle seien seit Anfang Januar bereits 253 Menschen getötet worden. Insgesamt gab es demnach 21 Anschläge und Überfälle. Boko Haram startete die Angriffe vor drei Jahren mit dem erklärten Ziel, Christen aus dem Norden Nigerias zu vertreiben. Seither zählte HRW mindestens 935 Tote. Präsident Goodluck Jonathan verhängte Ende Dezember den Ausnahmezustand über Teile des Landes. Am Freitag waren bei Anschlägen in Kano 185 Menschen getötet worden, darunter 29 Polizisten.
Katholischer Priester: „Christenverfolgung“
Nach Ansicht des Menschenrechtsaktivisten und römisch-katholischen Priesters Obiora Ike ist angesichts der Ereignisse der vergangenen Monate in Nigeria von einer „Christenverfolgung“ zu sprechen. Viele christliche Gläubige seien wegen der anhaltenden Anschläge traumatisiert, betonte der Caritasdirektor und langjährige Generalvikar der südnigerianischen Diözese Enugu in einem Interview mit der Wiener Tageszeitung „Die Presse“ (Dienstag): „Sie trauen sich gar nicht mehr aus ihren Häusern, geschweige denn, in eine Kirche zu gehen.“ Überall, wo sich Christen versammelten, könne es lebensgefährlich werden, so Ike; „so etwas hat Nigeria in diesem Ausmaß noch nie erlebt“.
Polizei von Boko Haram beeinflusst
Der Staat sei nicht in der Lage, den Christen im mehrheitlich muslimisch geprägten Norden Nigerias ausreichend Schutz und Sicherheit zu bieten, so Ike. Viele Polizisten, die eigentlich für die Sicherheit der Bevölkerung sorgen müssten, seien von Boko Haram stark beeinflusst. Aus Angst vor weiteren Anschlägen würden nun zahlreiche Christen in ihre ursprünglichen Heimatdörfer im Süden des Landes zurückkehren. Schon jetzt kämpften dort rund 10.000 Flüchtlinge um ihr Überleben, so der nigerianische Caritasdirektor.
Dialog soll fortgesetzt werden
Die europäischen Regierungen müssten der „fragilen“ Demokratie in Nigeria den Rücken stärken, forderte Ike. Dringend notwendig sei auch humanitäre Hilfe in den Flüchtlingslagern. Trotz der Angriffe islamischer Fundamentalisten wollten die Christen in Nigeria den interreligiösen Dialog mit Muslimen fortsetzen, betonte der katholische Priester. „Daran führt kein Weg vorbei.“ Moderate Muslime könnten möglicherweise eine Brücke zu Boko Haram schlagen, so Ike.
Verbindungen nach Österreich
Der 55-jährige Obiora Ike studierte u.a. in Innsbruck. 1981 wurde er vom Feldkircher Bischof Bruno Wechner in Vorarlberg zum Priester geweiht. Seit 1998 ist er Generalvikar der Diözese Enugu. 2002 entging Ike nur knapp einem Mordanschlag.
(AFP/KAP)
03. 01. 2012
Nigerianischer Erzbischof: „Boko Haram“-Drohungen ignorieren
Der Erzbischof der nigerianischen Hauptstadt Abuja, John Onaiyekan, hat die Bevölkerung aufgerufen, ein Ultimatum der islamistischen Sekte „Boko Haram“ zu ignorieren.
>>mehr
04. 01. 2012
Erzbischof: „Nigeria kann nicht nach Religionen geteilt werden“
Der Erzbischof von Abuja, John Olurunfemi Onaiyekan, hat im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ Mediendarstellungen kritisiert, denen zufolge Nigeria vor einem Bürgerkrieg zwischen Muslimen und Christen stehen soll.
>>mehr
09. 01. 2012
Krise in Nigeria: Terror gegen Christen und Generalstreik
Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Bei neuen Anschlägen von Islamisten auf Christen sterben zahlreiche Menschen. Präsident Jonathan muss an zwei Fronten kämpfen: Gegen die Gewalt im überwiegend islamischen Norden und wachsende soziale Unruhe im ganzen Land.
>>mehr

