News 25. 01. 2012

Russische Orthodoxie: Weiße-Rose-Mitglied Schmorell wird Heiliger

Der Mitbegründer der NS-Widerstandsgruppe „Weiße Rose“,  Alexander Schmorell, wird von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen.

Die Feiern sollten am 4. und 5. Februar in München stattfinden, berichtet der französischsprachige Internet-Informationsdienst „Orthodoxie“ unter Berufung auf die russisch-orthodoxe Diözese Orenburg. Schmorells Martyrium wurde laut Angaben des Informationsdienstes bereits 2008 von der russisch-orthodoxen Kirche anerkannt. An der Feier in München sollen Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe der russisch-orthodoxen Kirche aus Deutschland, Russland, den USA und der Ukraine teilnehmen.

Von NS-Justiz zum Tod verurteilt

Schmorell spielte eine Schlüsselrolle bei den Aktionen gegen die Nationalsozialisten. Er kam 1917 im russischen Orenburg zur Welt, seine Familie wanderte  aber 1921 nach München aus. Im Sommer 1942 begannen er und Hans Scholl, die Bevölkerung in vier Flugblättern zum passiven Widerstand gegen das NS-Regime aufzurufen. Zwei weitere Flugblätter folgten im Zusammenwirken mit Professor Kurt Huber, Willi Graf, Christoph Probst und Sophie Scholl im Jänner und Februar 1943. Im Alter von 25 Jahren wurde Schmorell von der NS-Justiz wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und am 13. Juli 1943 in München-Stadelheim hingerichtet.

Nachweis eines Wunders nicht erforderlich

Ein Martyrium, bzw. der Nachweis eines Wunders sei  in der russisch-orthodoxen Kirche keine Voraussetzung für die Heiligsprechung eines Verstorbenen, wie es in der katholischen Kirche der Fall ist, weiß Rudolf Prokschi, Vorstand des Instituts für  Theologie und Geschichte des christlichen Ostens an der Universität Wien. „Es ist einzig und allein ein Aspekt ausschlaggebend: ein herausragendes Leben in der Nachfolge Jesu geführt zu haben“, erklärt Prokschi im Gespräch mit religion.ORF.at.  „Der eine wird aufgrund eines Martyriums heiliggesprochen, der andere beispielsweise aufgrund eines entbehrungsreichen Lebens.“ Medizinische Wunder, wie sie bei Heiligsprechungen in der katholischen Kirche nachgewiesen werden müssen,  kenne die russisch-orthodoxe Kirche gar nicht.

 

(KAP, religion.ORF.at)

 

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Tipp: Brief-Edition

Im Buch „Alexander Schmorell – Christoph Probst: Gesammelte Briefe“ von Christiane Moll, erschienen 2011, sind mehr als 300 Briefe der beiden „Weiße Rose“-Mitglieder abgedruckt und kommentiert. ISBN: 978-3867320658

 

Schmorell-Ausstellung

Die Weiße Rose Stifung e. V. in München bietet eine Wanderausstellung über Alexander Schmorell an, die jederzeit auch für Österreich gebucht werden kann. Infos unter 0049 89 2180-5359 und knoesel@weisse-rose-stiftung.de

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