Wien: Burjan-Reliquien in „Caritas Socialis“-Stammhaus übertragen
Die Reliquien der seligen Hildegard Burjan sind am Montagabend im Rahmen einer feierlichen Prozession von der Wiener Servitenkirche in das Stammhaus der Schwesterngemeinschaft der Caritas Socialis in die Pramergasse übertragen worden.
Im CS-Stammhaus haben die Reliquien nun in der Hildegard-Burjan-Kapelle über der Grablege der Seligen ihren festen Platz. Das Reliquiar, eine schlicht gehaltene Glasstele, beinhaltet neben einem Knochensplitter der Seligen, deren Ehering sowie jene Caritas-Socialis-Brosche, die man bei der Exhumierung im Jahr 2005 im Sarg Burjans gefunden hatte. Vor der Prozession fand in der überfüllten Servitenkirche ein feierlicher Gottesdienst statt, dem Kardinal Christoph Schönborn gemeinsam mit dem Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt und den Weihbischöfen Helmut Krätzl und Franz Scharl vorstand. In seiner Predigt bezeichnete Krätzl die neue Selige als „Schlüsselfigur im ganzen Prozess der Neuevangelisierung in Österreich“.
„Glaube erst in Werken der Liebe lebendig“
Vielfach werde geklagt, dass der Glaube erschreckend geschwunden sei, vor allem auch das Glaubenswissen, so Krätzl: „Glaubenswissen aufzufrischen ist sehr wertvoll. Für das Evangelium gewinnen wird man aber Menschen kaum dadurch, sondern durch Zeugen des Glaubens.“ Im vom Papst ausgerufenen „Jahr des Glaubens“ werde es nicht genügen, sich eingehend mit dem Weltkatechismus zu befassen, so wichtig dies auch sei, betonte der Weihbischof. Es gelte bewusst zu machen, „dass der Glaube erst lebendig wird, wenn er sich in Werken der Liebe erweist“.
„Zwei bedeutende Glaubenszeugen“
„Es ist gut, dass wir in so kurzer Zeit zwei bedeutende Glaubenszeugen in Österreich haben, die seliggesprochen worden sind“, so Krätzl. „Carl Lampert, den ehemaligen Provikar der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch, und Hildegard Burjan; Lampert als 'Zeuge seines Glaubens gegen das menschenverachtende Naziregime', Burjan als 'Zeugin gelebten Glaubens für Arme und Entrechtete in unserer Heimat'.“ Letztere würde die Kirche heute aufrufen, sich „ohne Zaudern“ den Menschen zuzuwenden auf ihre Lebenswirklichkeiten hin, mit ihren Freuden und Hoffnungen, aber auch Niederlagen und Brüchen“, zeigte sich der Weihbischof überzeugt: „Sie würde uns ermutigen, alle Schätze der Kirche auszupacken, um Menschen zum Gelingen des Lebens zu verhelfen.“
Gegen Rückzug in die Sakristei
Das Zweite Vatikanische Konzil habe sich deutlich gegen eine weltfremde Frömmigkeit oder ein Zurückziehen „in die Sakristei“ ausgesprochen. Gleichzeitig habe es vor zwei Verirrungen gemahnt. „Ein Irrtum wäre, im Bewusstsein, hier keine bleibende Stätte zu haben, irdische Pflichten zu vernachlässigen, ein anderer Irrtum aber, im Irdischen aufzugehen, völlig getrennt vom Religiösen“, mahnte Krätzl. Der Bischof erinnerte an die von Burjan formulierte Weiheformel für die Schwestern der Caritas Socialis, in der vom „Werkzeug der Liebe Gottes“ die Rede sei. Burjan habe gezeigt, dass milde Gaben allein nicht genügten, um diesem Anspruch gerecht zu sein. Es gelte vielmehr alle Fähigkeiten einzusetzen zur Linderung der Not.
(KAP)
30. 01. 2012
Seligsprechung Burjans „großes Geschenk für Kirche und Land“
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