News 09. 02. 2012

Experten: Missbrauchsskandale kosteten Kirche Milliarden

Die zahlreichen bekanntgewordenen Fälle von Kindesmissbrauch haben die katholische Kirche nach Schätzungen von US-Experten mehr als 1,5 Milliarden Euro gekostet. Bei der diese Woche stattfindenden Konferenz in Rom über die Missbrauchsskandale der Kirche schätzten zwei Mitarbeiter eines US-Hilfswerks am Mittwoch diese Summe als "vermutlich vernünftig" ein.

Summe „in keinem Verhältnis“ zu Leiden

In ihre Rechnung bezogen Michael J. Bemi und Patricia Neal die Kosten für Entschädigungen, Untersuchungen, Prozesse und die Behandlung von Opfern ein. Diese Summe stehe jedoch "in keinem Verhältnis" zum Verlust der Unschuld der betroffenen Kinder und Erwachsenen, erklärten sie. "Für eine einzelne Seele gibt es keinen Preis." Bemi und Neal wiesen die Konferenzteilnehmer auf zahlreiche psychische Krankheiten hin, unter denen die Opfer leiden, auf ihre langwierige Behandlung und auf die angerichteten innerfamiliären Schäden. Die beiden Experten leiten ein Kinderschutzprogramm des US-Hilfswerks National Catholic Services.

Chefermittler fordert Rechenschaftspflicht für Bischöfe

Der vatikanische Chefermittler für Missbrauchsfälle, Charles Scicluna, forderte eine strengere Rechenschaftspflicht für Bischöfe im Umgang mit Fällen von Kindesmissbrauch. Die kirchliche Bestrafung von Bischöfen sei nach kanonischem Recht dem Papst vorbehalten, erklärte Scicluna am Mittwoch am Rande einer Konferenz über die Missbrauchsskandale der katholischen Kirche. Die bischöfliche Verantwortlichkeit müsse in Zukunft weiterentwickelt werden.

„Kultur des Schweigens“

Scicluna fügte hinzu, er glaube, es gebe eine "Kultur des Schweigens" im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch in der Kirche. Seinen Angaben zufolge gingen seit 2001 mehr als 4.000 Hinweise auf Kindesmissbrauch bei der vatikanischen Glaubenskongregation ein, davon allein tausend seit 2009. Scicluna wies darauf hin, dass die Ahndung von Missbrauch seit der Amtszeit von Papst Johannes Paul II. durch kircheninterne Regelungen verstärkt worden sei.

Konferenz endet am Donnerstag

Papst Benedikt XVI. hatte die viertägige Konferenz am Montag in Rom eröffnet. Dort diskutieren rund 200 Würdenträger und Kirchenexperten aus aller Welt hinter verschlossenen Türen über Maßnahmen zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in der katholischen Kirche. Die Konferenz endet am Donnerstag.

 

(APA/AFP)

 

Mehr Dazu
07. 02. 2012

Missbrauchsfälle: Papst mahnt "Erneuerung" der Kirche ein

Zum Auftakt der Konferenz der katholischen Kirche zum Thema Kindesmissbrauch in Rom hat Papst Benedikt XVI. eine "tiefgehende Erneuerung" der Kirche gefordert. Die "Heilung" der Opfer müsse für die christliche Gemeinschaft von größter Bedeutung sein und Hand in Hand mit einer Erneuerung der Kirche "auf allen Ebenen" gehen, hieß es in einem Grußwort des Papstes an die Teilnehmer der am Montag begonnenen Konferenz.

 

>>mehr