News 02. 02. 2012

Australien: Jurist sieht Mängel bei Bischofs-Amtsenthebung

Ein emeritierter Richter in Australien hat Papst Benedikt XVI. Rechtsverstöße bei der im Vorjahr erfolgten Amtsenthebung von Bischof William Morris vorgeworfen, bei der vor allem dessen Befürwortung des Frauenpriestertums eine große Rolle gespielt haben soll.

Der Papst habe Morris, der Diözesanbischof von Toowoomba war, im Mai 2011 ohne zureichenden Grund und ohne Einhaltung des vorgesehenen Rechtsweges entlassen, zitierte die Tageszeitung "The Age" (Mittwoch-Ausgabe) aus einem Gutachten von William Carter, einem früheren Richter am Obersten Gerichtshof im australischen Bundesstaat Queensland. Australiens Bischöfe hatten im November 2011 nach Gesprächen mit der römischen Kurie erklärt, sie hätten Verständnis für die Amtsenthebung ihres Mitbruders.

14 juristische Mängel

Laut Carter hat Benedikt XVI. "allgemeine Rechtsprinzipien" wie auch das Kirchenrecht "nicht beachtet". Carter listete der Zeitung zufolge in seinem Bericht 14 juristische Mängel bei der Absetzung auf. So gebe es zum Beispiel "nachweisbare Irrtümer bei den Fakten". Urteile ranghoher Kurienvertreter seien "mehr auf der Basis von Gerüchten und Hörensagen" als aufgrund von Beweisen erfolgt. In der Vorwoche hatte dem Bericht zufolge bereits der Kirchenrechtler und Priester Ian Waters aus Melbourne eine ähnliche Kritik vorgelegt. Beide Gutachten seien von Unterstützern des entlassenen Bischofs in Auftrag gegeben.

Vorschläge gegen Priestermangel

Die Causa Morris hatte im Zusammenhang mit dem Papstbesuch in Australien 2007 für Wirbel gesorgt. Der Papst habe die Bischöfe damals hinter verschlossenen Türen für zu wenig Disziplin bei ihren Wortmeldungen gerügt, heißt es in „The Age“ Morris hatte Ende 2006 in einem Hirtenschreiben auf den Priestermangel aufmerksam gemacht. Zu seinen Vorschlägen, wie man die Krise bewältigen könne, gehörte das Frauenpriestertum oder auch die Wiederaufnahme von Priestern, die aus welchen Gründen auch immer ihren Dienst aufgeben mussten. Auch eine Kooperation mit Anglikanern und Protestanten warf Morris ins Gespräch, wofür er im Vatikan wenig Verständnis fand.

„Einheit der Kirche auf dem Spiel“

Nach Beschwerden gegen Morris leitete der Vatikan ein Ermittlungsverfahren ein. Die Bischöfe des Bundesstaates Queensland stellten sich laut Medienberichten bei der Visitation durch den US-Erzbischof Charles Chaput hinter ihren Amtskollegen aus Toowoomba. Im Juni 2009 war Morris gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Australischen Bischofskonferenz, Erzbischof Philip Edward Wilson aus Adelaide, zu einer Audienz bei Benedikt XVI. Nach Gesprächen mit Kurienvertretern äußerten die Bischöfe im vergangenen Herbst allerdings Verständnis für die Amtsenthebung ihres Mitbruders. Die Einheit der Kirche sei auf dem Spiel gestanden, hieß es. Die Schwierigkeiten mit Morris hätten "nicht nur Fragen der Kirchendisziplin, sondern auch der verbindlichen Lehre der Kirche wie zum Priesteramt" betroffen, erklärten die Geistlichen nach Treffen mit den Spitzen der Glaubens- und Bischofskongregation.

(KAP)