Volksbefragung zu buddhistischem Stupa-Bau am Sonntag in Gföhl in NÖ
„Kleine Stadt mit großem Herz“ steht auf der Homepage von Gföhl (Bezirk Krems). Ob sich der Slogan auch auf Toleranz bezieht, wird der kommende Sonntag erweisen: Dann sind die Bürger der Waldviertler Gemeinde nördlich von Krems nämlich aufgerufen, über einen buddhistischen Stupa-Bau zu entscheiden. Das Projekt einer Wiener Stiftung ist umstritten, zuletzt ließ die Stadt-FPÖ sogar die Koalition mit der ÖVP platzen.
Dem Wortlaut nach geht es in der Volksbefragung darum, ob das betreffende Grundstück für die Errichtung des Sakralbaus umgewidmet werden soll. Bürgermeister Karl Simlinger (V), der für das Vorhaben eintritt und sich nicht zuletzt auch touristische Impulse für Gföhl erwartet, hofft auf Zustimmung der Bevölkerung. Die Leute seien aber geteilter Meinung, ein Ergebnis daher für ihn nicht abschätzbar, meinte er im Gespräch mit der APA. Zudem sei auch nicht vorauszusehen, ob überhaupt genügend Wahlberechtigte an der Befragung teilnehmen (mindestens 50 Prozent, Anm.), um ein für den Gemeinderat bindendes Ergebnis zu erzielen.
Riesiger Gebäudekomplex geplant
Hinter dem Projekt stehen die Lotos-Lindmayer-Privatstiftung und der Pyung Hwa Sa Friedensverein, Projektleiter ist der südkoreanische Mönch Bop Jon Sunim, der auch einen Stupa in Ungarn realisiert hat. Den Informationen auf der Homepage zufolge soll auf einer Anhöhe im Osten von Gföhl das größte „Weltfriedensdenkmal“ Europas auf einer Anhöhe im Osten von Gföhl entstehen. Neben dem Stupa mit einer Halle für 100 bis 150 Personen (Durchmesser: 20 Meter) sind auf dem zwei Hektar großen Areal ein rund 600 Quadratmeter großes Gebäude mit Gemeinschaftsräumen, sieben Wohnstudios für die Ordensmönche und -nonnen, sowie Meditationsräumen geplant. Dazu kommen ein Kiosk mit Sanitäranlagen und Parkflächen für Besucher, gerechnet wird mit 3.000 bis 5.000 Gästen pro Jahr. Kulturpolitisch sei eine Zusammenarbeit mit den Waldviertler Stiften und Schlössern angedacht.
Diskussion zieht weite Kreise
In der über lokale Grenzen hinausgehenden Diskussion hatten unter anderem BZÖ-NÖ-Chef Ewald Stadler und die FPÖ ihre Ablehnung bekundet. Namhafte kirchliche Persönlichkeiten mahnten eine „sachliche und respektvolle Diskussion“ ein, die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft sprach einen Toleranz-Appell aus. Der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng äußerte hingegen Vorbehalte – er wunderte sich nicht nur über den Standort, sondern teilte auch mit, dass er das Projekt „sicher nicht befürwortet“ hätte, wäre er gefragt worden.
„Kampf für den inneren Stupa“
Egal wie das Votum ausfallen werde, wichtig sei der Kampf für den inneren Stupa, für die ins Herz gepflanzte Friedensvision, meinte Elisabeth Lindmayer. Bop Jon Sunim habe viele Menschen aufgerüttelt, freute sie sich im APA-Gespräch über die „immer mehr werdenden“ positiven Stimmen – auch aus Gföhl, wo viele Menschen für den nicht nur für Buddhisten gedachten Bau seien. Sie betonte, dass in dem Gebäude zwei Mönche leben würden, um den Stupa zu beaufsichtigen. Die Finanzierung würde vorwiegend durch Spenden getragen, konkreten Zeitplan für die Errichtung gebe es noch keinen, verwies Lindmayer auf die abzuwartende Volksbefragung.
Verweis auf Ratzinger
In einer Reaktion auf dessen jüngste Äußerungen erinnerte Lindmayer in einem Brief an Bischof Klaus Küng daran, dass Kardinal Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI., die erste deutsche Übersetzung des Lotus-Sutra aus seiner Privatschatulle gesponsert habe. Der Stupa sei ein Erleuchtungsturm und Symbol von Buddhas Lehre. „Möge die Gabe der Freundschaft, die wir den Menschen anbieten, ein Schlüssel zu einem Dialog sein“, heißt es weiter. Es gebe keinen wahren Grund für Vorbehalte gegen den Buddhismus, der zur Entwicklung für mehr Liebe, Weisheit und Mitgefühl beitrage.
(APA)
08. 02. 2012
Stupa-Bau in Gföhl: Küng hätte Projekt "sicher nicht befürwortet"
Der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng äußerte vor der Volksbefragung zum geplanten Bau einer buddhistischen Stupa in Gföhl (Bezirk Krems) gegenüber der St. Pöltner Kirchenzeitung "Kirche bunt" am Sonntag erneut Vorbehalte. Er sei zwar kein Buddhismus-Gegner und respektiere jeden Andersdenkenden, wäre er gefragt worden, hätte er den Bau eines Stupa aber "sicher nicht befürwortet".
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15. 01. 2012
Stupa-Streit: Buddhistisches „Mega-Denkmal“ im Waldviertel?
Das ORF-Religionsmagazin "Orientierung" berichtete am 15. Jänner über den geplanten Stupa-Bau in Gföhl.
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