Obama wegen Regelung zu Verhütungsmitteln zunehmend in der Kritik
US-Präsident Barack Obama gerät wegen einer Maßnahme im Rahmen der Gesundheitsreform zu Verhütungsmitteln zunehmend in die Kritik. Streitpunkt ist eine Bestimmung darüber, dass US-Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen Verhütung finanzieren sollen.
Der republikanische Chef des Repräsentantenhauses, John Boehner, sprach am Mittwoch von einer "Attacke auf die Religionsfreiheit in unserem Land". Laut der umstrittenen Klausel müssen fast alle Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen verschreibungspflichtige Verhütungsmittel wie die Pille finanzieren. Ausnahmen gelten zwar für Kirchen, nicht aber für von Religionsgemeinschaften betriebene Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen oder Universitäten.
Erzbischof sieht Angriff auf alle religiösen Menschen
Die katholische Kirche, die Verhütungsmittel strikt ablehnt, läuft gegen die Ende Januar vorgestellte Regelung Sturm. Der Erzbischof von Washington, Donald Wuerl sieht in der Maßnahme, wie „The Guardian“ berichtet, ein Thema das alle religiösen Menschen betrifft und „alle Organisationen, die ihre Inspiration aus dem Glauben beziehen“ anfeindet. Eine Umfrage des „Public Religion Research Institute” fand indessen heraus, dass 58 Prozent der US-amerikanischen Katholiken die Maßnahme zur Finanzierung von Verhütungsmitteln befürworten.
Republikaner sehen Glaubensfreiheit gefährdet
Trotz dieser Umfrageergebnisse stimmten auch mehrere republikanische Parlamentarier in die Empörung ein. Senator John Thune warf Obama vor, auf der von der Verfassung geschützten Glaubensfreiheit "herumzutrampeln". Seine Kollegin Kelly Ayotte sprach von einem "beispiellosen Angriff auf die Religionsfreiheit". Auch die einflussreichen republikanischen Senatoren Mitch McConnell, Marco Rubio und Roy Blunt schlossen sich dem Protest an.
Auch Befürworter melden sich zu Wort
Während Prominente Republikaner einen Angriff auf die Religionsfreiheit sehen, veröffentlichten am Dienstag Vertreter von 23 Religionsgemeinschaften eine gemeinsame Erklärung, in der sie die geplante Finanzierung der verschiedenen Verhütungsmittel durch die Arbeitgeber Befürworten. Dabei handelt es sich um eine Reihe von progressiv ausgerichteten jüdischen, christlichen und muslimischen Gruppierungen und Teilorganisationen (etwa der Gruppe „Catholics for Choice“) die in ihrer Stellungnahme die Trennung zwischen Staat und Kirche und das Recht jeder Frau auf freie Entscheidung in Bezug auf Verhütung betonen.
Verhütung auch im Wahlkampf Thema
Das Thema erreichte auch den Präsidentschaftswahlkampf. "Wir müssen einen Präsidenten haben, der willens ist, das erste Recht in Amerika, das Recht je nach unserem Gewissen Gott anzubeten, zu schützen", sagte der Bewerber Mitt Romney. Sein Rivale Rick Santorum warf Obama vor, den Menschen in den USA seine "säkularen Werte" aufzwingen zu wollen. Präsident Obama hingegen erhofft sich durch die Durchsetzung dieser Bestimmung die Stimmen weiblicher Wähler, denn wie eine Umfrage des „Guttmacher Institute“ für Sexualforschung zeigt, nutzen über 99% der US-Amerikanerinnen im Laufe ihres Lebens Verhütungsmittel.
(AFP/religion.ORF.at)
30. 10. 2008
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Es sei "der intensivste Versuch" gewesen, den je ein Demokrat unternommen habe, um die Wählergruppe der Evangelikalen zu erreichen, schrieb die "New York Times" dieser Tage. Doch die Mehrheit der Bibeltreuen bleibt für Obama unerreichbar.
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