Feste, Bräuche, Lebensregeln
Festtage
Der erste und wichtigste Feiertag im Festkalender ist der
Schabbat, der siebente Tag der Woche. Er erinnert an die Schöpfung,
nach deren Vollendung Gott ruhte, wie es in der Bibel heißt. Zu
Ehren des Schöpfers unterbleibt an diesem Tag die Arbeit bei Mensch
und Tier.
"Und es ward Abend, und es ward Morgen, ein Tag",
heißt es in der Bibel. Für Juden fängt deshalb der Tag nicht um
0.00 Uhr, sondern am Abend an. Der Schabbat beginnt am Freitagabend.
Zuvor wird die Wohnung gesäubert, der Einkauf erledigt, das Essen
vorgekocht. Man nimmt ein Bad und kleidet sich festlich. Beim
Abendgottesdienst in der Synagoge begrüßt die Gemeinde den
Schabbat. Man wünscht einander "Schabbat Schalom!" Die
Hausfrau zündet währenddessen zu Hause die Schabbatkerzen an und
spricht den Segen über sie. Nach der Rückkehr aus der Synagoge
beginnt die Feier im Familienkreis. Am Samstag geht der Schabbat mit
einem Morgengottesdienst weiter. Er endet bei Sonnenuntergang.
Feste im Jahreskreis
"Der Katechismus der Juden ist sein Kalender" (Samson
Raphael Hirsch)
Mehr noch als die Synagoge ist die Familie das Zentrum der
jüdischen Religion. Deshalb sind viele jüdische Feste auch
Familienfeste.
Rosch
Haschana (das Neujahrsfest): Im Gottesdienst wird das
Schofar (Widderhorn) geblasen. Es ruft zu Besinnung. Am Neujahrstag
wird eine neue Seite im göttlichen Buch des Lebens aufgeschlagen.
Man wünscht deshalb: "Zu einem guten Jahr möget ihr
eingetragen werden!" Der jüdische
Kalender zählt die Jahre ab
Erschaffung der Welt, das ist 3761 v.d.Z. – errechnet aus der
hebräischen Bibel. Dem Jahr 2002 entspricht so das Jahr 5762/63.
Mit Neujahr beginnen zehn Bußtage, an deren Ende Jom Kippur (der
Versöhnungstag) steht, der heiligste Tag im jüdischen Jahr. Er ist
ein strenger Fast- und Bußtag.
Fünf Tage später folgt Sukkot (das Laubhüttenfest).
Ursprünglich ein Erntefest, erinnert es heute an die Notbehausungen
der Israeliten beim Auszug aus Ägypten. Juden verbringen in der
Festwoche viele Stunden in Laubhütten, auf Balkonen, in Höfen usw.
Simchat Tora
Der letzte Tag des Festes ist Simchat Tora (das Fest der
Torafreude). Beim Synagogengottesdienst werden alle Tora-Rollen
unter Gesang und Tanz sieben Mal um das Lesepult getragen.
Zu Chanukka (Weihe- und Lichterfest) zündet man am achtarmigen
Chanukkaleuchter jeden Tag eine weitere Kerze an. Dieser Brauch
erinnert an die Wiedereinweihung des Tempels nach dessen Schändung
durch den Syrerkönig Antiochus.
Zu Purim wird in den Synagogen die Ester-Rolle in Erinnerung an
die Verhinderung einer geplanten Judenverfolgung im Perserreich
gelesen.
Im jüdischen Frühlingsmonat Nissan wird Pessach gefeiert. Das
Gedächtnis an die Befreiung Israels aus ägyptischer Knechtschaft,
dem Kernstück biblischer Heilsgeschichte. Es beginnt am Vorabend
mit dem Sedermahl im Familienkreis. Speisen wie Bitterkräuter,
Salzwasser, Mazzes (ungesäuertes Brot), geröstete Lammknochen usw.
erinnern an die biblischen Ereignisse. Zwischen Pessach
und dem
sieben Wochen späteren Schawuot
liegen die "Tage der
Trauer".
Schawuot (das Wochenfest) erinnert an die Offenbarung Gottes am
Sinai. |