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Buchtipp: "Alltag auf arabisch"In seinem neuen Buch "Alltag auf arabisch" liefert der ORF-Nahost-Korrespondent Karim El-Gawhary "Nahaufnahmen von Kairo bis Bagdad".Karim El-Gawharys "Alltag auf arabisch" eröffnet dem Leser einen Schlüsselloch-Blick darauf, wie die "ganz normalen" Menschen in einem aus mitteleuropäischer Perspektive nichts weniger als normalen politischen und sozialen Alltagsgefüge leben und sterben, lachen und weinen, hoffen und verzweifeln. "Nahaufnahmen von Kairo bis Bagdad" nennt der Untertitel die Sammlung von Anekdoten und Geschichten, die der Autor im Lauf der letzten zwei Jahrzehnte seiner Tätigkeit als Nahost-Korrespondent verschiedenster Medien gesammelt hat. Einen "Soundtrack aus dem Orient" nennt er sie selbst: "Mit dem Blick auf die Alltagsfacetten wird das politische Geschehen nachvollziehbarer als durch manche Analyse und ganz sicher als durch jeden Nachrichtenbericht." Skurriles…Skurril kommen sie zunächst daher, die Alltagsgeschichten aus Kairo, und mitunter bereits wohletablierte Stereotype in die Realität überhöhend: Wie jene der Maler, die im Kaufhaus die Verkaufsregale gleich mit den darauf angepriesenen Waren lackieren - weil die ja ohnehin in Plastik eingepackt seien. Oder jene der "Beleidigungsagentur", vermittels derer Umm Buqqu, die "Mutter der scharfen Zunge", gegen feste Honorarsätze all jenen Beleidigungen und Beschimpfungen anbietet, die sich an Konkurrenten oder Nebenbuhlern nicht die eigenen Finger schmutzig machen wollen. "Schläge mit den Absätzen von Damenschuhen auf den Kopf" gehen dabei allerdings über das Basispaket hinaus und sind extra zu bezahlen. Reichhaltige Kapitel sind der Verifikation der ebenfalls bestens eingeführten Vorurteile zu den Themen Straßenverkehr und Bürokratie gewidmet - vom beherzten Bemühen der Behörden, Verständnis dafür zu schaffen, "dass das Rot der Ampeln eine tiefere Bedeutung hat als gemeinhin angenommen" bis zum Leidensweg des Autors auf dem Weg zur Anmeldung eines neuen Wagens. … und ErnstesDoch Karim El-Gawhary begnügt sich nicht damit, seine Leser mit anekdotischen Leichtmenüs zu amüsieren. Schon seine Abhandlungen über das schier unfassbare Ausmaß der Umweltverschmutzung im heutigen Ägypten lassen dem Leser das Lachen im Hals steckenbleiben wie dem Autor die Atemluft. Er analysiert aber auch die Motive der überbordenden Empörung in der islamischen Welt im Gefolge der dänischen Mohammed-Karikaturen mit - angesichts deren gewalttätiger Emanationen - mutiger Klarheit. Er lässt die unschuldigen Opfer des Krieges im Südlibanon zu Wort kommen. Und er zeigt glasklar, wie die vielen kleinen und großen Fehler vor allem der US-Besatzungsmacht im Irak den Menschen dort oft nur noch die "Wahl" zwischen hoffnungsloser Resignation und hasserfüllter Radikalisierung zu lassen scheint.
Karim El-Gawhary leitet seit 2004 das Nahostbüro des ORF in Kairo. Daneben arbeitet der 1963 in München Geborene als Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Zeitungen, darunter "Die Presse", die Berliner "tageszeitung" oder die Zürcher "Sonntagszeitung".
Info:Karim El-Gawhary: "Alltag auf arabisch. Nahaufnahmen von Kairo bis Bagdad", Kremayr & Scheriau, 224 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-218-00783-2
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