„Von hochfürstlichen Schutzjuden und koscherem Wein“

Prosit Neujahr heißt es rund um den 1. Jänner all überall. Übersetzt: es möge nützen, es sei zuträglich. Oder auf Hebräisch: Le Chaim, auf das Leben!

Bis heute gedenken manche christliche Konfessionen am 1. Jänner der Beschneidung Jesu: acht Tage nach dem Fest seiner Geburt. Gehörte doch der, den sie als Messias und damit als Christus bekennen, der jüdischen Religion an.

Memo
Sonntag, 1.1.2017, 19.05 Uhr, Ö1

Jüdische Lebenswelten sind, wenn auch in reduzierter Form, nach wie vor in Österreich präsent, Pogromen und Ermordungen in der Geschichte zum Trotz. Seit dem Hochmittelalter sind jüdische Gemeinden im heutigen Burgenland belegt. Im äußersten Westen des damaligen Königreichs Ungarn waren die Lebensbedingungen besser als in den habsburgischen Ländern, wo es immer wieder Pogrome und Vertreibungen gab. Doch ganz sicher war das Leben der Juden in Westungarn trotzdem nicht. Immer wieder gab es auch hier Vertreibungen neben längeren friedlichen Phasen.

Ab 1669 kam es unter Leopold I. zur systematischen Ausweisung der Jüdinnen und Juden aus Wien, und viele von ihnen siedelten sich in Westungarn an, wo ihnen Paul I. Fürst Esterhazy Schutz gewährte. Rund 3.000 Jüdinnen und Juden lebten fortan in den „Siebengemeinden“ (Eisenstadt, Mattersburg, Kittsee, Frauenkirchen, Kobersdorf, Lackenbach und Deutschkreutz). Es entwickelte sich in allen Bereichen ein reges jüdisches Leben mit einer eigenen Verwaltung, mit Synagogen, Gaststätten, die koscheren Wein ausschenkten, jüdischen Ärzten und Hebammen bis hin zu jüdischen Friedhöfen.

Das blieb auch nach der Angliederung des Burgenlands an Österreich im Jahr 1921 so. Bis 1938, als der Nationalsozialismus das jüdische Leben im Burgenland brutal auslöschte. „Memo“ unternimmt am Neujahrstag einen Streifzug durch die ehemaligen jüdischen Gemeinden, an die noch Friedhöfe und Synagogen erinnern.

Gestaltung: Wolfgang Slapansky

Memo 1.1.2017 zum Nachhören: