Vorbildliche Menschen

In vielen Jahreskalendern sind die katholischen Tagesheiligen in einer regionalen Auswahl aufgelistet; oft in Verbindung mit traditionellen Bräuchen.

Gedanken für den Tag 4.2.2017 zum Nachhören:

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

Im Mittelalter hat sich ein regelrechter „katholischer Heiligenhimmel“ entwickelt. Seine erste Erfassung geschah in der „Legenda Aurea“ des Jacobus de Voragine im 13. Jh. Im Sinne persönlichkeitswirksamer Religionsdidaktik kam den Heiligen als Patronen von Berufsgruppen, als Fürsprecher sozialer und natürlicher Stände große Bedeutung zu.

Ulrike Kammerhofer
ist Leiterin des Salzburger Landesinstituts für Volkskunde

Auch die Unterteilung des Jahres in Wirtschaftsepochen erfolgte nach Heiligenterminen. Zinstage, Jahrmärkte und Erntefeste wurden an ihnen orientiert. Auch die Namensgebung von Kindern erfolgte nicht mehr nur nach den Namen der Vorfahren, sondern nach den Tagesheiligen. Zusätzliche, zweite und dritte Taufnahmen wurden üblich, sie sollten die Menschen unter besonderen Schutz stellen. Berühmte Familien und Herrscherdynastien ließen „Hausheilige“ zu ihrem Schutz zusammenstellen. Die Habsburger erwählten Markgraf Leopold den Babenberger 1663 zum Patron der österreichischen Länder, weiters die heilige Maria als „Magna Mater Austriae“ (1662 und 1667), und den heiligen Josef.

Die österreichischen Bundesländer erhielten im 20. Jahrhundert Landespatrone — teils waren es die historischen, teils neu ausgewählte Heilige. Auch nachdem 1970 der römische Generalkalender reformiert wurde, blieb vielen Menschen der symbolische Gehalt der Heiligenlegenden wichtiger als deren reale Existenz.

Buchhinweis:

Ulrike Kammerhofer-Aggermann, Michael J. Greger (Hgg.), „Feste, Bräuche, Feiertage der Religionen in Österreich - wie, wann, wozu?“, Salzburger Beiträge zur Volkskunde 22, volkskunde.slivk@salzburg.gv.at

Musik:

Heinz Holliger/Oboe und Academy of St. Martin in the Fields unter der Leitung von Iona Brown: „Grazioso - 1. Satz“ aus: Konzert für Oboe, Streicher und B.c. in D-Dur von Georg Philipp Telemann
Label: Philips 4128792