Altbewährtes

Als ich ein Kind war, begann das Fernsehprogramm so circa um halb Sechs Uhr abends und man freute sich auf den Kasperl oder den Knallroten Autobus.

Gedanken für den Tag 17.2.2017 zum Nachhören:

Wir waren ob der doch recht begrenzten Auswahl an Programm irgendwie dazu verurteilt, das anzusehen, was genau zu dieser Uhrzeit angeboten wurde. Später kam es dann auch recht schnell zu einem allgemein geflügelten Wort: Heute läuft ja überhaupt nichts mehr, was mich interessiert.

Es etablierte sich in sogenannten bürgerlichen Kreisen das Wort vom zielgerichteten Fernsehen, man studierte Programmzeitungen und markierte jene Sendungen, die einem wertvoll genug erschienen, dafür Zeit zu investieren. Ein paar Jahre später programmierte man den Videorekorder und fühlte sich wie ein Programmdirektor: Endlich konnte man bestimmen, wann man welchen Inhalt auch ansehen möchte.

Neigung zu danken

Heute geht das noch viel einfacher. Mit Video on Demand steht uns die Welt offen und wie unsere Kinder das auf You Tube oder Vimeo ganz selbstverständlich tun, so könnten auch wir Älteren über die verschiedenen Internet Plattformen der TV Sender ganz sicher interessante und unser Leben bereichernde Programme finden.

Bevor wir nun aber irgendetwas ansehen, könnten in diesem Fall von selbstbestimmtem Umgang mit Medien wir Älteren unseren Kindern wieder Vorbild sein. Man sollte sich bei der Suche nach Programm nämlich nicht von den Algorithmen amerikanischer Internet Anbieter oder von den Angeboten der Privatsender zu immer mehr des Gleichen treiben lassen, sondern bei der Wahl Anbieter dann doch auf Altbewährtes setzen.

Golli Marboe
arbeitet als Journalist - war viele Jahre TV Produzent und ist heute außerdem Obmann des von ihm gegründeten Vereins VsUM - des Vereins zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien.

Warum? Ein Beispiel: Für den ORF und den Bayerischen Rundfunk habe ich vor einigen Jahren die Dokureihe „Donauklöster“ produziert. Diese Sendungen, die ursprünglich 45 Minuten lang waren und so auch im ORF und im BR mehrmals gelaufen sind, verkauften wir dann an einen Privatsender, der aber nur 30 Minuten Sendezeit pro Folge zur Verfügung stellen konnte. An sich wäre eine solche Kürzung kein Problem, wenn dann nicht von den Redakteuren dieses Senders die Anweisung gekommen wäre, dass wir aus den Langfassungen doch bitte sämtliche Passagen herausschneiden sollten, die etwas mit der Nazizeit oder auch mit Behinderten zu tun hätten, denn das möchte der Sender seinem Publikum nicht zumuten, das passt einfach nicht zu jenem Bild, das er von Österreich transportiert wissen möchte.

Hier kommt es also wieder auf die Unterscheidung der Geister an: Ein Privatsender, eine internationale Plattform, ein social media Betreiber, müssen eben keinen demokratischen Qualitäten und Regeln folgen, sie dürfen ein Angebot an den Markt machen. Der Markt steht aber selten für ein differenziertes demokratisches Weltbild.

Dafür stehen bei allen Mängeln immer noch die öffentlich-rechtlichen Veranstalter mit ihren Fernseh-, Radio und Internetangeboten. Dort werden Sie journalistisch wertvolle Programme finden, in denen auch Behinderte zu Wort kommen dürfen und in der auch die Zeit des sogenannten Dritten Reiches nicht aus dem Blick verschoben wird.

Ich bin dankbar für diese ungeheure Fülle an TV Programmen und auch wenn mir klar ist, dass man wahrlich nicht den ganzen Tage fernsehen sollte - und ich nenne das immer noch so - surfe ich gerne im Netz und schau mir dort Filme und Dokumentationen an, die mich unterhalten und dazu meinen Horizont erweitern.

„Je älter man wird, umso mehr wächst in einem die Neigung zu danken“, sagt Martin Buber.

Musik:

J. Michael Leonard/Saxophon und Valerie J. Becker/Klavier: Gershwin Medley „I got rhythm - Stike up the band“ von George Gershwin
Label: ASV CD WHL 2085