Ich muss nicht perfekt sein

In der Stunde der Not geben sich die wahren Freunde zu erkennen: Diese Erfahrung hat – nach dem Bericht der Evangelien – auch Jesus von Nazareth gemacht. Dabei zeigt sich auch er von Menschen „wie Du und ich“ umgeben, die sich nicht alle vorbildlich verhalten haben.

Morgengedanken 12.4.2017 zum Nachhören:

Die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu ist auch eine Geschichte der Menschen um Jesus. Darunter finden sich nicht nur Lichtgestalten. Die Jünger Jesu brauchen lange, um zu verstehen, was auf Jesus zukommt.

Olivier Dantine
ist Superintendent der evangelisch-lutherischen Diözese Salzburg-Tirol

Ohne jede Voraussetzung

In den letzten Stunden vor seiner Verhaftung schaffen sie es nicht, mit ihm wach zu bleiben und zu beten. Jesus ist in seiner Verzweiflung allein, und seine engsten Begleiter merken es nicht. Petrus, der beim letzten Abendmahl noch großspurig tönt, er werde immer zu Jesus stehen, versucht sich aus der Affäre zu ziehen, als es ernst wird. Er leugnet ab, Jesus zu kennen. Aber es gibt auch die anderen Menschen: Frauen, die bis zum Schluss beim Kreuz bleiben. Ein reicher Ratsherr, Josef von Arimathäa, der nach Jesu Tod den Mut aufbringt, bei Pilatus um die Herausgabe des Leichnams zu bitten. Aus dieser Mischung von Anhängern Jesu, mit ihren Stärken und ihren Schwächen und Fehlern, entsteht die erste christliche Gemeinde.

Das ist ein Gedanke, der mir gefällt: Es geht nicht darum, stark und erfolgreich zu sein oder keine Fehler zu machen. Gott nimmt mich an, ohne jede Voraussetzung. Ich muss nicht perfekt sein, und darf trotzdem jeden Tag als ein geliebtes Kind Gottes beginnen.