Leid und Gewalt überwinden

Für gläubige Christinnen und Christen ist heute ein Tag der Trauer. Er ist kein Tag wie jeder andere. Der Karfreitag ist aber nicht nur ein Tag der Trauer, sondern auch ein guter Tag für Frieden und Versöhnung.

Morgengedanken 14.4.2017 zum Nachhören:

Der heutige Karfreitag ist der Höhepunkt in der Karwoche. Christen in aller Welt denken heute an den Kreuzestod Jesu. Eine besondere Bedeutung hat der Karfreitag für evangelische Christen. Landläufig heißt es, der Karfreitag sei für Evangelische der höchste Feiertag.

Olivier Dantine
ist Superintendent der evangelisch-lutherischen Diözese Salzburg-Tirol

Leid und Gewalt überwinden

Tatsächlich feiern heute viel mehr Evangelische die Gottesdienste mit als etwa am Ostersonntag. Das mag irritieren: Ein Tag der Erinnerung an den Kreuzestod Jesu als einen hohen Feiertag anzusehen, ist ungewohnt. Aber der Karfreitag kann nicht verstanden werden ohne den Ausblick auf den Ostersonntag. Es geht heute um mehr als um die Betrachtung von Leiden und Sterben Jesu, es ist auch nicht ein Tag der Trauer. Für Christen ist Jesus von Nazareth auch nicht einfach nur ein besonderer Mensch gewesen, sondern Gottes Sohn. In diesem Menschen kommt Gott uns Menschen nah.

Ich sehe den Sinn im Sterben Jesu darin, dass Gott ganz bewusst sich dem Leiden und der Gewalt aussetzt, um den Tod zu überwinden. So überwindet Christus Leid und Gewalt. Dieses Überwinden von Gewalt ist ein wichtiger Schritt in Richtung Versöhnung. Es ist wohl nicht ganz zufällig, dass der jahrzehntelange und sehr gewaltsame Konflikt in Nordirland vor 19 Jahren mit dem „Karfreitagsabkommen“ beendet wurde. Da wurde der Karfreitag, auf Englisch heißt er ja „Good Friday“ zu einem besonderen Tag für Frieden und Versöhnung.