Das Leben geht nicht einfach weiter

Was wäre das Leben ohne Pausen? Auch die dramatischen Ereignisse rund um den Kreuzestod des Jesus von Nazareth brauchen einen Tag Unterbrechung, den heutigen Karsamstag. Aber die Pause ist kein leeres Nichts.

Morgengedanken 15.4.2017 zum Nachhören:

Die Karwoche hat einen deutlichen Spannungsbogen: vom Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag über das letzte Abendmahl und die Verhaftung am Gründonnerstag bis zum Höhepunkt, der Misshandlung und Hinrichtung von Jesus am Karfreitag.

Olivier Dantine
ist Superintendent der evangelisch-lutherischen Diözese Salzburg-Tirol

Bruch in der Geschichte

Über dem heutigen Karsamstag hingegen liegt eine seltsame Stimmung. Es ist der Tag der Grabesruhe. Für die einen war eine aus ihrer Sicht gefährliche Angelegenheit rasch erledigt, sie konnten aufatmen und zur Ruhe kommen. Andere, die Weggefährten Jesu, befanden sich in Trauer und Schockstarre. Draußen vor der Stadt fand sich das Grab, mit einem großen Stein verschlossen, darinnen lag Jesus. Die dramatische Handlung macht eine Pause.

Es braucht diese Pause, um deutlich zu machen: Nach dem Tod Jesu geht das Leben nicht einfach weiter, da ist ein Bruch in der Geschichte. Und der Karsamstag steht für diesen Bruch. Nichts ist so, wie es vorher war. Die Bibel hat einen schönen Vergleich, um den Tod Jesu zu deuten: Ein Vergleich, der aus der damaligen Welt der Landwirtschaft kam. Da herrschte die Vorstellung, dass ein Weizenkorn, das in die Erde gelegt wird, stirbt und begraben wird. Und nur wenn dieses Weizenkorn stirbt, kann es austreiben und guten Ertrag bringen. Weil Jesus, der Sohn Gottes im Grab liegt, genau deswegen kann etwas wachsen: Hoffnung für die Welt.