Konfrontation im Dialog

Religion und Kunst - zwei Begriffe, die wesentliche Facetten des Seins betreffen. Im Namen der Religionen wurden schon immer und werden noch heute Kunstwerke in Auftrag gegeben, Kunstwerke zerstört, Kunstwerke aufgestellt und gleichzeitig deren Aufrichtigkeit oder Wahrhaftigkeit in Frage gestellt.

Gedanken für den Tag 19.4.2017 zum Nachhören:

Überall auf der Welt, zu allen Zeiten, lebten und leben die Menschen Religion und Kunst. Man kann die konkreten Umsetzungen anderer aber auch in Frage stellen. Bücher, Schriften, Erzählungen - aber auch Kriege und Gewalttaten im Namen des eigenen Glaubens oder der eigenen Ideologie, zeugen von der Intensität der Auseinandersetzung um diese Begriffe.

Elena Holzhausen
ist Diözesankonservatorin am Referat für Kunst und Denkmalpflege der Erzdiözese Wien

Neue Begegnungen

In meiner Arbeit erlebe ich das Verhältnis dieser zwei Phänomene immer wieder als - Konfrontation im Dialog. Der Begriff des Dialoges macht es einfach. Denn Dialog ist gut, und das meine ich durchaus ernst. Dialog hilft. Dialog kann ich mir für das Gelingen meiner Arbeit vornehmen. Der Begriff Konfrontation dagegen bewirkt in mir zunächst einmal Unbehagen. Konfrontation klingt zunächst hart, zu hart für die ersten Gedanken eines Tages.

Konfrontation im Dialog - geht das überhaupt? Wenn man sich auf Kunstwerke in der Betrachtung einlässt und zulässt was in Bewegung gesetzt werden kann - dann ist die Konfrontation im Dialog leicht zu spüren. In dem Wort Konfrontation steckt das lateinische Wort frons, die Stirn. Mir gefällt das Bild: die Stirnen zusammenstellen - als Erklärung für die Worte Konfrontation im Dialog. Bei diesem Bild muss man sich schon sehr nahe an den anderen herantrauen, ob Mensch oder Kunstwerk. Die Stirnen zusammenstellen kann man nicht, wenn man nicht bereit ist, die eigene Komfortzone zu verlassen. Wagt man es aber, so können sich lange gesuchte Perspektiven, aber auch Begegnungen und neue Beziehungen eröffnen.

Musik:

Birgit Heinemann/Violoncello und Uta Schlichtig/Violoncello: „Les feuilles mortes“ aus dem Film „Les portes de la nuit“ von Joseph Kosma, bearbeitet von: Dan Zemlicka
Label: Violoncello à deux/Avi Music 8553417