„Was glauben Sie?“ – Peter Strasser

Der 1950 geborene Philosoph Peter Strasser war bis 2015 Professor für Philosophie, Ethik und Religionstheorie an der Karl Franzens-Universität Graz.

Strassers Denken kreist um ein Phänomen, das er als „ontologischen Überschuss“ bezeichnet. Dieser zeigt sich in zwei Erscheinungsformen: Einmal in der erkenntnisleitenden Überzeugung, dass es wissenschaftlich möglich sei, die Welt so zu zeigen, wie sie objektiv beschaffen ist. Ein andermal manifestiert sich der „ontologische Überschuss“ als eine metaphysische Sehnsucht, die Wahrheit als den Sinn zu realisieren, der dem Ganzen des Seins innewohnt. Als „Immanenzverdichtung“ kritisiert Strasser einen entmenschlichenden Zug der Moderne, der das „Über-uns-selbst-Hinaussein“ als irrational anprangert. Deshalb verteidigt Strasser einen Primat des Geistes.

Logos
Samstag, 6.5.2017, 19.05 Uhr, Ö1

Bekannt wurde Peter Strasser durch zahlreiche essayistische Buchpublikationen, für die er 2014 den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik erhielt. In jüngerer Zeit erschienen von ihm „Von Göttern und Zombies: Die Sehnsucht nach Lebendigkeit“ (2016); „Ontologie des Teufels. Über das Radikalgute“ (2016) und zuletzt 2017 zwei innerlich aufeinander bezogene Publikationen: „Morgengrauen. Journal zum philosophischen Hausgebrauch“ und „Mein Abendland. Versuch über das unerreichbar Nahe“.

Peter Strasser ist ein Philosoph, der beharrlich gegen den zeitgeistigen Strom zu denken versucht. In seinen „Morgengrauen“-Essays kritisierte er kürzlich die „sanfte Tyrannei der Achtsamkeit“ mit folgenden Worten: „Wir leiden unter den psychischen Folgen verinnerlichter Affektkontrollen, die uns daran hindern, dass wir uns lebendig fühlen. Folglich fühlen wir uns mehr und mehr als Lebendtote. Der Mangel an Lebendigkeitsgefühl ist ein zentrales Merkmal unserer neuesten Opferrolle. Wir fühlen uns permanent überfordert und ausgebrannt. Wir werden, infolge mannigfaltiger Erlebnisdimmer unter hohem Erwartungsdruck, sowohl zu Achtsamkeitsneurotikern als auch zu Achtsamkeitszombies.“ Johannes Kaup führt mit dem bekannten Philosophen in Graz ein Gespräch über seine tragenden Lebens- und Denkmotive.

Logos 6.5.2017 zum Nachhören: