Reformation sichert Freiheit!

Dass heute in den Kirchen – auch in den katholischen – viel gesungen wird, das ist auch der Reformation zu verdanken. Zwar hat Martin Luther daran sicher noch nicht gedacht, als er am 31. Oktober 1517 seine Thesen an das Tor der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hat, aber er hat später selbst Kirchenlieder verfasst.

Morgengedanken 13.9.2017 zum Nachhören:

„Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.“ Mit diesen Worten beginnt Martin Luthers bekanntestes Lied. Es wurde fast zur Hymne der evangelischen Kirchen.

Michael Bünker
ist Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich

Freiheit des Glaubens

Man kann es heute auch so verstehen: Weil Gott die feste Burg ist, die Sicherheit und Geborgenheit schenkt, braucht es für Menschen, die auf Gott vertrauen und ihm glauben, keine Festungen. Sie verschließen sich nicht, nicht vor der Welt und vor allem nicht vor der Not der anderen. Sie wissen, dass Mauern und Zäune keine Dauerlösungen sind. Reformation bewegt, sie bewegt vor allem die Herzen, nicht kalt und hart zu bleiben angesichts der Ungerechtigkeit, unter der Menschen zu leiden haben. Die Freiheit des Glaubens verwirklicht sich durch Verantwortung.

An zwei aktuellen Beispielen greifen das die evangelischen Kirchen beim Reformationsfest am 30. September am Wiener Rathausplatz auf. Zwei Menschen werden Mut machen, diese Verantwortung zu übernehmen. Einmal die palästinensische Christin Sumaya Farhat-Naser und dann Klaus Vogel von SOS Mediterranee. Sie leben ihren Glauben in den Konflikten unserer Zeit und beziehen Stellung in den heißen Diskussionen, aktuell besonders um die Situation der Menschen, die über das Mittelmeer nach Europa kommen. Es geht um das Recht aller Menschen, auf ein selbstbestimmtes, freies Leben in Sicherheit. Bei Gott, der festen Burg, ist niemand ausgeschlossen.