Reformation versöhnt!

Am Beginn der Reformation vor 500 Jahren standen 95 „Thesen“ – als Gedanken oder Denkanstöße – zum Thema Buße und Beichte. Die Angst vor der Hölle war damals allgegenwärtig, und der Teufel war für die Menschen noch eine unangezweifelte Realität. Das mag sich geändert haben – aber auch heute noch machen die Menschen einander oft das Leben zur Hölle.

Morgengedanken 14.9.2017 zum Nachhören:

„Pray the devil back to hell.“ Bete den Teufel in die Hölle zurück. Unter dieses Motto stellt die Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee aus Liberia ihre Arbeit. Pray the devil back to hell. Gibt es die Hölle und den Teufel? Selbstverständlich, die Menschen in Liberia haben es erfahren müssen.

Michael Bünker
ist Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich

Frieden und Versöhnung

Liberia hat die Hölle erlebt, einen schlimmen, blutigen Bürgerkrieg durchlitten, in dem Menschen einander Teuflisches angetan haben. Besonders viele Kinder wurden gezwungen, als Kindersoldaten auf einer der Kriegsseiten mitzukämpfen. Lebenslange Traumatisierung war oft die Folge. Leymah Gbowee hat sich gemeinsam mit anderen, besonders mit vielen Frauen, für Frieden und Versöhnung eingesetzt und mitgeholfen, dass diese durch Gewalt geprägten Kinder ihre schlimmen Erfahrungen überwinden und ein neues Leben beginnen können. Ihr Glaube hat ihr dazu Mut und Entschlossenheit, Zuversicht und Fantasie gegeben.

Heute steigen weltweit die Rüstungsausgaben und militärische Konflikte sind in vielen Ländern Realität. Ihre Gefahr nimmt zu. Auch die Reformation hatte kriegerische Auseinandersetzungen zur Folge. Heute erkennen die evangelischen Kirchen: Religion darf niemals zur Rechtfertigung von Krieg und Gewalt benützt werden. Ihr Auftrag ist es, für den Frieden einzutreten und für Versöhnung zu wirken. Reformation bewegt – für Frieden und Versöhnung.