Geburtstag der Schöpfung

Die jüdische Jahreszählung orientiert sich an der Erschaffung der Welt, die nach der Tradition am ersten Rosch haSchana geschaffen worden sein soll. Also sollte diese nach biblischer Auffassung in diesem Herbst 5778 Jahre alt sein. Am Neujahrstag feiern wir somit den Geburtstag der Schöpfung.

Gedanken für den Tag 21.9.2017 zum Nachhören:

Unser Weg ins neue Jahr ist einer der Umkehr – auf Hebräisch Teschuwah - und des Bereinigens. Schon im Elul, dem Monat davor, ertönt im Gottesdienst das Schofar, das uns Jüdinnen und Juden aufschrecken und zur Besinnung aufrufen soll. Wir sind dazu angehalten, unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen zu klären und zu verbessern, bevor wir uns an Jom Kippur um Versöhnung mit Gott bemühen können. Aber was ist mit der Beziehung zur Natur? Wie kann ich den Geburtstag von Himmel, Wasser, Pflanzen und Tieren begehen, wenn ich nicht zuvor auch meinen Umgang mit ihnen bereinigt habe?

Sarah Egger
ist Geschäftsführerin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Die Ellen-McArthur-Stiftung warnt, dass 2050 bereits mehr Plastik in den Meeren vorhanden sein könnte als Fisch. Das hat mehr schlimme Folgen als ich in zwei Minuten aufzählen kann. Vor kurzem bin ich beispielsweise darauf aufmerksam geworden, wie viel Plastik ich allein in meinem Badezimmer habe – vollkommen unnötigerweise! Wieso etliche Plastikflaschen Shampoo im Jahr kaufen, wenn es Haarseife gibt? Wozu verpacktes Duschgel, wenn ich unverpackte Seife kaufen kann? Selbst Zahnbürsten gibt es in Bambusausführung, und für das kleine Budget gibt es in der Drogerie Hygieneprodukte mit hohem Anteil an recyceltem Material in der Verpackung. Die aufkeimende Zero-Waste-Bewegung macht es zunehmend leichter, keinen neuen Plastikmüll aufzuhäufen. Das jüdische Neujahrsfest lädt dazu ein, von den Wegen, die wir bisher beschritten haben, umzukehren. Wie Rabbi Hillel sagte: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Musik:

Bob Dylan: „New morning"
Label: Sony/Columbia 32267CD