Vivam - Ich werde leben

Zum 2000. Todestag von Publius Ovidius Naso: „Vivam – Ich werde leben“, so beschließt Ovid seine „Metamorphosen“ und er sollte Recht behalten. Anlässlich seines 2000. Todestags wird allerlei Trubel um seine Person gemacht, scheint uns Publius Ovidius Naso, so sein vollständiger Name, lebendiger als viele Dichter vergangener Jahrhunderte.

Gedanken für den Tag 16.10.2017 zum Nachhören:

Nach wie vor treibt er sein Spiel mit uns, stellt Fragen, deutet Antworten an, scheint greifbar zu werden und verwandelt sich plötzlich in einen anderen. Ovid ist längst wieder in, ein Blick nach Hollywood reicht, wo man sich am Mythenreservoir abarbeitet, das Ovid so meisterhaft in Szene gesetzt hat. Mehr noch, er, der uns eintauchen lässt in die antike Mythenwelt, ist selbst zum Mythos geworden. Seine Biografie mag das ihre dazu beigetragen haben, bietet sie doch Stoff für mehr als einen Roman.

Christoph W. Bauer
ist Schriftsteller

Ein Spiel mit Möglichkeiten

Da kommt ein belächelter Provinzler in die Hauptstadt Rom, will nur seiner Kunst leben und wird mit Liebesgedichten zum Shooting-Star. Ein Höhenflug folgt – doch plötzlich auf dem Höhepunkt seines Ruhms der tiefe Fall: die Verbannung ans Schwarze Meer. Seines Rangs als Dichter ist er sich auch im Exil bewusst, er bleibt ungebrochen, unangepasst wie eh und je. Der gefallene Held weiß mit seinem Status zu punkten. Oder führt er uns nur an der Nase herum?

Fast alles, was wir über Ovid zu wissen glauben, entnehmen wir seinen Texten – und die sind Literatur, ein Spiel mit Möglichkeiten. Ein Dichter tritt uns hier entgegen, der sich diverser personae bedient, verschiedener Masken. Mal ist er der Verliebte, mal der Frauenversteher und Mythenerklärer, selbst Schminktipps vermag er zu geben. Ovid, und das trägt zweifelsohne zu seiner Modernität bei, stillt ein bis heute andauerndes menschliches Bedürfnis nach Ratgebern in wichtigen Lebensfragen.

Buchhinweise:

  • Christoph W. Bauer, „Das zweite Auge von Florenz. Zu Leben und Werk von Guido Cavalcanti“, Verlag Das Wunderhorn
  • Christoph W. Bauer, „stromern. Gedichte“, Haymon Verlag
  • Christoph W. Bauer, „In einer Bar unter dem Meer. Erzählungen“, Haymon Verlag

Musik:

Deller Consort unter der Leitung von Alfred Deller: „Ouvertüre & Air“ aus: KING ARTHUR or THE BRITISH WORTHY, Z.628 / musikalisches Drama (Semi-Oper) in 5 Akten / Querschnitt von Henry Purcell, Text von John Dryden
Label: Harmonia mundi HMC90252