„Das Opferfest, die religiösen Minderheiten und die Frauen"

Tunesien gilt mit seiner säkularen Verfassung und prowestlichen Ausrichtung als das Vorzeigeland des Maghreb. Doch der Islam ist in Tunesien Staatsreligion, zu der sich 98 Prozent der Bevölkerung bekennen.

Die meisten Tunesierinnen und Tunesier gehören der malikitischen Glaubensrichtung an, einer Spielform des sunnitischen Islam. Christen und Juden sind kleine Minderheiten, die bis zur Revolution 2011 tolerant behandelt wurden.

Tao
Samstag, 4.11.2017, 19.05 Uhr, Ö1

Die Revolution brachte der Gesellschaft Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit. Letztere ist in der Praxis für Muslime größer als für religiöse Minderheiten wie jene der Christen. Denn diese geraten unter den Druck radikaler salafistischer Strömungen, obwohl die tunesische Verfassung die freie Ausübung des Glaubens vorsieht, so lange diese nicht die öffentliche Ordnung stört. Binnen 50 Jahren ist die Zahl der Christen von 300.000 auf derzeit 30.000 geschrumpft. Im früher auch jüdisch geprägten Tunesien leben heute nur mehr rund 1.500 Juden. Wie können religiöse Minderheiten heute ihren Glauben leben? Wie geht es besonders den Frauen, einerseits den christlichen und andererseits den muslimischen, die sich patriarchal geprägten Lebensweisen zunehmend widersetzen?

Johannes Kaup hat eine Reise in die religiöse Landschaft Tunesiens unternommen. Sie beginnt mit dem höchsten islamischen Fest, dem Opferfest. Dabei wird des Propheten Ibrahim (bibl.: Abraham) gedacht. Nach muslimischer Überlieferung bestand Ibrahim die Probe Allahs und wäre bereit gewesen, seinen Sohn Ismael (bibl.: Isaak) zu opfern (vgl. Sure 37, 99 – 113). Allah sah Ibrahims Bereitschaft und verhinderte das Menschenopfer. Ibrahim und Ismail opferten daraufhin voller Dankbarkeit im Kreis von Freunden und Bedürftigen einen Widder. Auch heute noch ist es bei gläubigen Muslimen üblich, zur Feier des Opferfestes ein Tier zu opfern, dessen Fleisch dann unter der Familie, den Armen und Hungrigen verteilt wird.

Gestaltung: Johannes Kaup

Tao 4.11.2017 zum Nachhören: