Täufer und Freikirchen

Themen: Freikirchen in Österreich; Shoah-Mahnmal in Wiener U-Bahnstation; „Die Fremden“ spielen Theater

Die Kinder der „Ketzer“ – Täufer und Freikirchen

Auch sie sehen sich als die Kinder der Reformation: Und deshalb haben die evangelikalen Freikirchen in Österreich heuer ebenfalls einen Grund zu feiern. Die Freikirchen verorten ihre historischen Wurzeln in der sogenannten Täuferbewegung. Als „Ketzer“ hat man die sogenannten Wiedertäufer bei lebendigem Leibe verbrannt, enthauptet oder ertränkt. Dieser radikalere, dritte Flügel der Reformation hat sich nur wenige Jahre nach Luthers Thesenanschlag 1517 formiert. Die Anliegen Luthers und Zwinglis sind den Täufern noch viel zu wenig weit gegangen, sie haben nach einer umfassenden spirituellen und sozialen Reform gestrebt.

Praxis
Mittwoch, 8.11.2017, 16.05 Uhr, Ö1

In Österreich sind die Täufer im Zuge der Gegenreformation de facto ausgelöscht worden. Erst Jahrhunderte später sind ihre Nachfahren, in der Gestalt einiger evangelikaler Freikirchen, wieder auf der Landkarte der Religionen erschienen. Die meisten von ihnen sind heute unter dem Dach der Religionsgemeinschaft „Freikirchen in Österreich“ organisiert, die 2013 gesetzlich anerkannt wurde. Sie hat nach eigenen Angaben circa 20.000 Mitglieder und insgesamt rund doppelt so viele regelmäßige Gottesdienstbesucherinnen und -besucher. Nun wollen sie verstärkt auf ihre Geschichte und ihre Märtyrer aufmerksam machen. - Gestaltung: Kerstin Tretina

Herminengasse - Kunstprojekt im Gedenken an die Verfolgung jüdischer Bewohner einer Wiener Gasse

79 Jahre ist es her. Da wurden in der Nacht von 9. auf 10. November 1938 im Zuge der Novemberpogrome in ganz Österreich insgesamt 30 Juden und Jüdinnen getötet, 7.800 verhaftet und alleine aus Wien rund 4.000 direkt ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Heute ein Tag des Gedenkens und Erinnerns.

Zum Beispiel in der Wiener Herminengasse. Das ist heute eine hübsche Gasse im 2. Wiener Gemeindebezirk. Doch in den Jahren 1938 bis 1945 wurden aus der Herminengasse 800 Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager deportiert. Manche wurden in der Gasse etwa in eine der Sammelwohnungen umgesiedelt. Andere wieder wohnten bereits vor der Machtergreifung der Nazis mit ihren Familien in der Herminengasse oder besuchten die zahlreichen jüdischen Vereine und Einrichtungen, die hier angesiedelt waren.

Seit kurzem erinnert ein Kunstwerk an das Schicksal 800 jüdischer Opfer aus der Herminengasse. Die Künstlerin Michaela Melián hat in der U-Bahnstation Schottenring, gleich unter der Gasse, die Lebenslinien der Opfer nachgezeichnet. Zusätzlich zum Kunstwerk bildet ein Katalog der Historikerin Tina Walzer die Geschichten der Bewohner und Bewohnerinnen der Herminengasse ab. - Gestaltung: Julia Wötzinger

„Die Fremden“ spielen Theater

Seit 25 Jahren bringen sie Themen rund um Migration, Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion, vom Fremdsein in einer neuen Umgebung und davon, seinen Platz zu finden in der neuen Heimat, auf die Bühne: Die Laientheatergruppe „Die Fremden“. Mit ihren selbst erarbeiteten Produktionen haben sie auch schon so manchen Preis ergattert. Die Theaterpädagogin Dagmar Ransmayr hat die Gruppe 1992 gegründet und leitet sie bis heute. Fast 80 Schauspieler und Schauspielerinnen aus mehr als 40 Ländern haben in den 25 Jahren mitgemacht, manche sind geblieben, andere waren eine Zeit lang dabei. „Fahraway“ heißt das jüngste Stück im Wiener Off-Theater - ein Wortspiel aus dem deutschen Wort „fahren“ und den englischen Wörtern „far away“ für „weit weg“. - Gestaltung: Judith Fürst

Moderation: Alexandra Mantler

Praxis 8.11.2017 zum Nachhören:

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