Engster Familienkreis

Es ist eine Fehlentwicklung, wenn sich immer mehr eine Beerdigung im Stillen und nur im engsten Familienkreise wünschen. Das sind nicht zu unterschätzende kleine Risse in einer sonst schon auseinanderstrebenden Gesellschaft, meint Wilfried M. Blum.

Morgengedanken 28.11.2017 zum Nachhören:

Viele sind das ganze Jahr hindurch mit dem Sterben und dem Tod konfrontiert. Doch der dunkle November drängt diese Thematik noch mehr auf. Heute liest man häufig: „Wir haben uns im engsten Familienkreis vom Verstorbenen verabschiedet“ oder „Es war ihr Wunsch, den letzten Weg alleine zu gehen. Deshalb haben wir uns in aller Stille von ihr verabschiedet“.

Wilfried M. Blum
ist römisch-katholischer Pfarrer in Rankweil in Vorarlberg

Des anderen Last

Ich empfinde diese Entwicklung für eine Fehlentwicklung. Sie ist für mich eine Form von Entsolidarisierung und Privatisierung, die den Betroffenen und unserer Gesellschaft nicht gut tun. Das traue ich mich nach über 40 Jahren Erfahrung mit Trauerfamilien und Beerdigungen zu sagen. Niemand gehört nur der eigenen Verwandtschaft. Für eine gelingende Trauerarbeit ist die Gemeinschaft mehr als hilfreich. Gemeinsame Rituale und gemeinsames Trauern um einen lieben Verstorbenen sind heilsam. Sie schenken den Angehörigen Trost. Und die Mittrauernden werden dadurch in ihrem Nachdenken über Leben und Tod reifer. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

„Einer trage des anderen Last (Gal6,2). Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Traurigen (Röm12,15)“ – Für mich eine tröstliche und tröstende Einladung des Apostel Paulus.