Oktoberrevolution und Kirche

Themen: 100 Jahre Oktoberrevolution; Bischofsweihe in Innsbruck; Radikalisierung im Gefängnis

100 Jahre Oktoberrevolution

Am 4. Dezember gedenkt die orthodoxe Kirche von Russland der Wiedererrichtung des Moskauer Patriarchats vor 100 Jahren.

Praxis
Mittwoch, 29.11.2017, 16.05 Uhr, Ö1

Der Sturz des Zaren durch die „Februar-Revolution“ 1917 hatte wieder die Wahl eines eigenen Oberhauptes ermöglicht - doch durch die „Oktober-Revolution“ ist sie im Grunde schon wieder hinfällig geworden. Eigentlich hatte das Deutsche Reich damals nur die weitere, innenpolitische Destabilisierung eines bereits wankenden Gegners beabsichtigt - als 1917 einem gewissen Wladimir Iljitsch Uljanow die Durchreise von Zürich nach Schweden gestattet wurde, um ihm so die Rückkehr in seine russische Heimat zu ermöglichen. Doch Wladimir Iljitsch Uljanow - besser bekannt unter seinem Kampfnamen „Lenin“ - nutzt seine Chance: Zur Überraschung aller kann er in der so genannten „Oktober-Revolution“ die Macht an sich reißen - und kann sich (ebenso unerwartet) in einem langen Bürgerkrieg behaupten.

Für die orthodoxe Kirche von Russland (aber nicht nur für sie) beginnen in der neuen Sowjetunion Jahrzehnte brutaler Verfolgung - mit dem Ziel, die Religion an sich auszurotten. Doch das Naheverhältnis von weltlicher und geistlicher Macht in Russland hat sogar in der Sowjetunion auf seltsame Weise fortbestanden - um heute, im Russland unter Vladimir Putin, in erneuerter Form eine Renaissance zu erleben - die viele wiederum an die „gute, alte Zeit“ der Zaren erinnert. Verständlich wird das alles aber erst durch einen Blick zurück in die Geschichte. - Gestaltung: Markus Veinfurter

Hermann Glettler - Neuer Bischof für Innsbruck

Am 2. Dezember wird Hermann Glettler zum neuen Bischof der römisch-katholischen Diözese Innsbruck geweiht. Der 52-jährige Steirer war bisher Pfarrer in Graz - und ist für seine Affinität zu moderner Kunst bekannt. In der vergangenen Woche war er zu Gast beim „Jour Fixe“ der katholischen Publizistinnen und Publizisten in Wien. Er ist der fünfte Oberhirte des 1960 gegründeten Bistums - von denen (abgesehen von Reinhold Stecher) keiner ein Tiroler war. Kirchenpolitisch plädiert der designierte Bischof für mehr "Beweglichkeit“ - auch bei den Zulassungsbedingungen zum Weiheamt in der römisch-katholischen Kirche. - Gestaltung: Markus Veinfurter

Radikalisierung im Gefängnis

Gefängnisse als „Brutstätten von religiösem Extremismus“, konkret von Islamismus? „Unter Extremisten“ nennt jedenfalls Ramazan Demir, der Leiter der muslimischen Gefängnisseelsorge in Österreich, sein Buch, das soeben erschienen ist. Seelsorge ist ein Menschenrecht. Auch für alle rund 9.000 Menschen, die derzeit in Österreich eine Haftstrafe verbüßen. Etwa 2000 sind Muslime. Tendenz steigend. 33 ehrenamtliche Seelsorger und Seelsorgerinnen sind im Einsatz; nur ein hauptamtlicher wird von der Islamischen Glaubensgemeinschaft selbst durch Spenden finanziert.

Der in Deutschland geborene Imam Ramazan Demir warnt in seinem neuen Buch vor zunehmendem Extremismus und klagt über fehlende Kapazitäten. Er selbst ist hauptamtlich an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems für die Fortbildung der muslimischen Religionslehrer und -lehrerinnen verantwortlich und ehrenamtlich in der Glaubensgemeinschaft für den interreligiösen Dialog zuständig - und daneben auch Leiter der muslimischen Gefängnisseelsorge in Österreich. - Gestaltung: Maria Harmer

Moderation: Alexandra Mantler

Praxis 29.11.2017 zum Nachhören:

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