Hl. Anna - Riten im Advent

Wer spricht heute noch von Botschaften vermittelnden Engeln, die den subalternen Männern in deren Träumen erscheinen, um sie dem Unwahrscheinlichen gegenüber, das zu erwarten ist, geneigter zu machen (Stichwort: Jungfrauengeburt)?

Gedanken für den Tag 5.12.2017 zum Nachhören:

Wer spricht schon von einem Joachim, der seine an Jahren fortgeschrittene Anna quasi mit einem Kuss zu schwängern hatte (unter der Goldenen Pforte: Giotto), wer könnte einen Joseph mit dem Jesusknaben am Arm dargestellt sehen, ohne dass ihm irgendetwas daran merkwürdig falsch vorkäme?

Bodo Hell
ist Schriftsteller

Wir switchen zurück auf das Trinubium der hl. Anna (ihre 3er-Ehe): diese männerverschleißende Frau in den besten Jahren ist in einen ständigen Witwenschleier gehüllt, was die Identifizierung unter anderen hl. Frauen erleichtert, wobei aus ihren 3 Ehen jeweils eine Maria (also 3 Marien) entsprungen sind (ist), jede Annentochter Maria benannt nach ihrem jeweiligen Vater, nämlich: 1 Maria Joachim /2 Maria Kleophas /3 Maria Salomas.

Die Sippe Jesu

Nur die erste (ihrerseits dann Gottesmutter) ist unbefleckt im Schoß selbstverständlich der hl. Anna empfangen worden (an einem 8. Dezember), die anderen beiden sind ganz normal befleckt gezeugt worden (an nicht überlieferten Tagen), jede der 3 Marien hat dann ihrerseits geheiratet: Maria (Joachim), die spätere Gottesmutter, bekanntlich in der Josephs-Ehe den hl. Joseph (den Bruder des Anna-Zweitmanns Kleophas, also ein Generationensprung), die zweite Maria (Kleophas) nahm den Alphäus und gebar Jakobus den Jüngeren, Josef den Gerechten und Judas Thaddäus (Nothelfer in aussichtslosen Lagen), die 3. Maria (Salomas) nahm Zebedäus zum Mann und gebar Jakobus den Älteren (Santiago, später bis nach Compostela gelangt) sowie Johannes den Evangelisten. Johannes der Täufer seinerseits war inzwischen schon aus Marias Base Elisabeth in die Welt gekommen (einer Nichte der hl. Anna aus deren Schwester Esmeria).

In Schnitzwerken aus dem Geist der Volksfrömmigkeit sieht man all diese Repräsentanten der Großfamilie (Sippe Jesu) manchmal auf Bänken versammelt (und die einzelnen Namen sind bei den Figuren angeschrieben, damit man sie sich merken kann. Merkwürdig allerdings bleibt eines: Da es in der dritten Generation ausschließlich um die sechs Söhne ging, wurden die drei Marien nämlich nicht nur als Töchter nach ihren Vätern (Joachim, Salomas, Kleophas), sondern auch als Mütter nach ihren Söhnen benannt: die 1. nur Maria Jesu, die 2. und 3. Maria könnten aber auch identisch Maria Jakobi und Maria Jakobi gerufen worden sein (nach Jakobus dem Jüngeren und dem Älteren).

Buchhinweis:

Bodo Hell, „Ritus und Rita“, Droschl Verlag

Musik:

„Jutzertänzli“ von Anton Bruhin
Label: Urs Engeler Editor