„Seelische Verletzungen“

Kinder, die in der Früh nicht gern aufstehen, weil sie in der Schule ausgelacht werden… Mobbing am Arbeitsplatz, Spott innerhalb der Familie. Viel zu oft kommt das vor, viel zu oft tut das weh.

Morgengedanken 7.12.2017 zum Nachhören:

Dank der computergestützten Gehirnforschung konnte festgestellt werden, dass für das Gehirn zwischen schweren seelischen und körperlichen Verletzungen bzw. Traumatisierungen kein Unterschied besteht. Dabei darf nicht vergessen werden, dass viele Mikrotraumen die gleiche Wirkung haben wie ein Makrotrauma ... und dass viele Menschen dazu gedrillt wurden, ihre Verletzungen zu verheimlichen, verleugnen oder gar zu verdrängen.

Rotraud Angelika Perner
ist evangelische Theologin und niederösterreichische Hochschulpfarrerin im Ehrenamt

Verunreinigung der Seele

Zu den seelischen Verletzungen gehört, das in den Schmutz zu ziehen, was jemand anderem ein hoher Wert ist: Glaube und Religion etwa. Oder auch ernsthafte Vorbereitungen, dass Weihnachten wirklich ein Gedenken an die geweihte Nacht sein möge. In meiner Schulzeit pflegten etliche Professoren – angeblich scherzhaft – Evangelische als „Ketzer“ anzusprechen; im Vorjahr ist sogar mir genau das auch widerfahren, von einem hochrangigen Juristen. Schon Sigmund Freud hat in seiner Abhandlung über den Witz aufgedeckt, dass in sogenannten Scherzen oft unbewusste aber auch bewusste Selbsterhöhungsabsichten drin stecken.

Im Jakobusbrief (3, 10 – 11) heißt es: „Aus einem Mund kommen Loben und Fluchen. Das soll nicht sein, liebe Brüder. Lässt auch die Quelle aus einem Loch süßes und bitteres Wasser fließen?“, und dort heißt es auch (1, 21): „Darum legt ab alle Unsauberkeit und Bosheit, und nehmt an das Wort mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen.“ Wir müssen aufpassen, uns nicht von Spott oder Ironie anstecken zu lassen, denn das verunreinigt unsere Seele, und selbst wenn wir uns verteidigen, bleiben wir doch in Berührung mit der Unsauberkeit. Es gilt vielmehr loszulassen, sich seelisch zu reinigen und in eine sanfte Stimmung zu bringen, auch wenn das jedes Mal Zeit braucht – denn „selig sind die Friedfertigen“ (Mt 5, 9).